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Alter

Der Begriff «Alter» bezeichnet sowohl eine Lebensphase als auch einen Prozess. Die Pensionierung markiert den Übergang vom Erwerbsleben in den Lebensabschnitt «Alter». Bei steigender Lebenserwartung wird dieser Lebensabschnitt immer länger, weshalb er in ein «drittes und viertes Lebensalter» (60 bis 80 Jahre respektive 80 Jahre und älter) unterteilt wird. Im dritten und vierten Lebensalter sind die Prävalenz- und Inzidenzraten für die meisten Krankheiten höher als davor.

Der gesellschaftliche Wandel und immer älter werdende Bevölkerungsgruppen mit selbstbestimmtem Lebensstil bringen neue Modelle und Sichtweisen auf das Altern hervor. Die Bedürfnisse und Ressourcen älter werdender Menschen rücken zunehmend in den Fokus. Zudem ändert sich auch die Altersstruktur unserer Gesellschaft: Die demographische Alterung führt zu einer Zunahme von pflegebedürftigen Menschen und infolgedessen zu einer zunehmenden Auslastung des Gesundheits- und Sozialwesens und steigenden volkswirtschaftlichen Kosten. Diese Entwicklungen machen es nötig, Lösungen zu suchen, damit alternde Menschen möglichst lange selbstständig bleiben und ihre Erfahrungen und Kompetenzen als Ressource in die Gesellschaft einbringen können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stellt in diesem Zusammenhang das Langzeitkonzept des «Aktiven Alterns» bereit und empfiehlt, dieses bei der Entwicklung von politischen Handlungsplänen und Programmen zu berücksichtigen. Sie definiert aktives Altern als Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen, ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern.

Die Mehrheit der Senior:innen weist zwar keinen risikoreichen Konsum von Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen auf, jedoch kommt es wegen der Demografie zu einer Zunahme der absoluten Zahl von älteren Menschen mit Suchtproblemen. Zudem ist der Anteil an älteren Personen mit einem chronisch-risikoreichen Alkoholkonsum höher als in allen anderen Altersgruppen und auch die regelmässige Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Ältere Menschen mit Suchtproblemen bilden keine einheitliche Gruppe: Sowohl die Suchtentwicklung als auch die Bedürfnisse der Betroffenen unterscheiden sich bei älteren Frauen und Männern. Grundsätzlich wird zwischen einem frühen Beginn der Abhängigkeit oder Problemmanifestierung (early-onset) und einem späten Beginn (late-onset) unterschieden. Der frühe Beginn setzt im frühen oder mittleren Erwachsenenalter ein. Die Gruppe der «early onset» umfasst also «alt gewordene» Süchtige – eine meist polymorbide Patient:innengruppe mit Alkohol- oder Opioidabhängigkeit, lang dauernder sozialer Desintegration und langer psychiatrischer und suchttherapeutischer Vorgeschichte. Bei der Gruppe der «late onset» hingegen setzt der Beginn der Problemmanifestierung später ein, wobei die Bewältigung altersspezifischer Entwicklungsaufgaben und kritischer Lebensereignisse eine wichtige Rolle spielt. Dazu gehören die Beendigung des Berufslebens und der Übergang in den dritten Lebensabschnitt, der Wegzug der Kinder, Krankheit und Abnahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und der Verlust von Freund:innen und Partner:innen. Diese Belastungen können zu Vereinsamung und Depression führen und die Entstehung von Suchtproblemen begünstigen.

Suchtproblematiken und Abhängigkeit im Alter entwickeln sich häufig schleichend. Für die (Früh-)Erkennung dieser Veränderungen bei älteren Menschen ist es deshalb unerlässlich, zwischen altersbedingten Veränderungen und konsumbedingten Beeinträchtigungen zu unterscheiden. Auffälligkeiten wie Stürze, Schwindel, Verwirrtheit, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Verwahrlosung, Fehlernährung, soziale Isolation und depressive Symptome werden fälschlicherweise teils dem Alter zugeschrieben, und eine Suchtproblematik wird nicht oder erst spät erkannt.

Neben ihrer Abhängigkeit leiden ältere Betroffene häufig auch an psychiatrischen Erkrankungen sowie altersbedingten körperlichen Krankheiten und Beschwerden und sind oft auf Medikamente angewiesen. Ihre Versorgung ist dadurch für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung. Dies gilt sowohl für die Betroffenen selbst, für die eine Krankheit oftmals soziale Isolation bedeutet, als auch für das bestehende (Sucht-)Hilfe- und Versorgungsystem, das Antworten auf Mehrfacherkrankungen und intensivierten Pflegebedarf finden muss. Die Hilfsangebote müssen sowohl der Diversität der Zielgruppe der älteren Menschen als auch möglicher altersspezifischer Zugangsbarrieren Rechnung tragen. Ziel der Behandlung und Versorgung älterer Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung ist vor allem, den Schaden, der mit ihrem Konsumverhalten verbunden ist, zu mindern und ihnen ein möglichst hohes Mass an Lebensqualität, Autonomie und Würde zu sichern.

[erstellt am 04.01.2022]

Quellen

Bachmann, A./Baumberger, P. (2017): Abhängige Menschen – auch im Alter gut versorgt? Bern: SuchtMagazin 43(5): 44-49. https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=sum-003%3A2017%3A43%3A%3A172#215, Zugriff 04.02.2022.

Flor, W. (2019): Alter(n) und Gesundheitsförderung. BZgA. Leitbegriffe der Gesundheitsförderung. https://leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/altern-und-gesundheitsfoerderung/, Zugriff 04.01.2022.

WHO – Weltgesundheitsorganisation (2002): Aktiv altern: Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Wien: Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/67215/WHO_NMH_NPH_02.8_ger.pdf, Zugriff 28.03.2022

Wiesbeck, G. (2017): Alternd, abhängig und trotzdem gut versorgt? Schweizerische Ärztezeitung 98(30/31): 937. Bern: FMH. https://saez.ch/article/doi/saez.2017.05767, Zugriff 04.02.2022.

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