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Epigenetik

Der Begriff «Epigenetik» setzt sich aus den beiden Wörtern Genetik (Vererbung) und Epigenese zusammen. Die Kombination der beiden Elemente ergibt eine neue Disziplin innerhalb der Genetik, welche jene Eigenschaften von Genen erforscht, die nicht durch die DNA, also die Erbinformation selbst, sondern durch deren Aktivierungsbereitschaft in Erscheinung treten. Das heisst, durch die Epigenetik wird nicht der DNA-Strang selber verändert, sondern die Ebene darüber (von griechisch: epi = daneben oder darüber).

Die Epigenetik kann als Bindeglied zwischen Umwelteinflüssen und Genen aufgefasst werden. Sie ist mitverantwortlich, unter welchen Umständen welches Gen angeschaltet wird und wann es wieder stumm wird. Das heisst, nicht nur das Gen ist für eine Ausprägung relevant, sondern auch wie stark dieses Gen aktiviert ist.

Äussere Umwelteinflüsse, wie beispielsweise starker Stress oder das Trinken von Alkohol, können die DNA selbst zwar nicht verändern, die Genaktivität allerdings schon. Das heisst, wie weit wir und alle Lebewesen durch unsere Gene vorprogrammiert sind und wie stark die Umwelt dieses Programm verändern und prägen kann, liegt in den epigenetischen Prozessen unserer Zellen. Auch bei Suchterkrankungen scheinen solche Prozesse eine signifikante Rolle zu spielen. In der Wissenschaft gibt es Modelle für die Entwicklung einer Abhängigkeit, welche die Genetik miteinbeziehen: Untersuchungen weisen darauf hin, dass Gen-Umwelt-Interaktionen zur Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit beitragen. Welche möglichen Konsequenzen diese Erkenntnisse auf Prävention und Therapie haben, ist derzeit aber noch nicht geklärt.

Bisher ist nicht abschliessend geklärt, ob eine Vererbung über die Gene hinaus möglich ist. Untersuchungen anhand von Mäusen, Ratten, Würmern oder Fliegen weisen aber darauf hin, dass es funktionieren könnte. So würden beispielsweise die epigenetischen Mechanismen durch Umwelteinflüsse wie Ernährung, Krankheit oder unseren Lebensstil verändert, und diese epigenetischen Informationen, die sich über das ganze Leben hinweg in unseren Zellen ansammeln, könnten demzufolge an nachfolgende Generationen weitervererbt werden. Weitere Untersuchen dazu sind aber noch nötig.

Quellen:

Bundesministerium für Gesundheit und Forschung. Website Epigenetik: Essgewohnheiten schlagen sich im Erbgut nieder: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/epigenetik-essgewohnheiten-schlagen-sich-im-erbgut-nieder-3319.php, Zugriff 17.06.2022.

De Sa Nogueira, D./Merienne, K./Befort, K. (2018): Neuroepigenetics and addictive behaviors: Where do we stand? Neuroscience and Biobehavioral Reviews. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0149763418301040?via%3Dihub, Zugriff 17.06.2022.

Max Planck Gesellschaft. Website: Epigenetik zwischen den Generationen: https://www.mpg.de/11396064/epigenetik-vererbung, Zugriff 17.06.2022.

Preuss, U.W./Wei Mooi Wong, J./Zill, P. (2019): Genetik der Alkoholabhängigkeit: Gen-Umwelt-Interaktionen und Epigenetik. SuchtMagazin 45(4): 35-41. Bern: Infodrog. https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=sum-003%3A2019%3A45%3A%3A135#229, Zugriff 17.06.2022

Spektrum der Wissenschaft. Webseite zur Epigenetik: https://www.spektrum.de/thema/epigenetik/1191602, Zugriff 17.06.2022.

Studyflix.de. Website zur Epigenetik: https://studyflix.de/biologie/epigenetik-2666, Zugriff 17.06.2022.

[zuletzt aktualisiert am 17.06.2022]

Zitiervorschlag

Infodrog (JJJJ). Epigenetik. Präventionslexikon: https://www.infodrog.ch/de/wissen/praeventionslexikon/epigenetik.html, Zugriff 04.12.2022.

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