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Gesundheitliche Chancengleichheit

Gesundheitliche Chancengleichheit steht für das Prinzip der gleichen Chancen der Menschen auf die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung ihrer Gesundheit. Dies bedeutet, dass alle Menschen die Möglichkeit zur Entfaltung ihres Gesundheitspotenzials erhalten sollen – unabhängig von soziodemographischen Faktoren und Gesundheitsdeterminanten wie Einkommen, Bildung, soziokulturellem Hintergrund, Alter und Geschlecht. In der Schweiz leitet sich das Prinzip der gesundheitlichen Chancengleichheit aus dem zweiten Artikel der Bundesverfassung ab, der als einen Zweck der schweizerischen Eidgenossenschaft die Sorge für «eine möglichst grosse Chancengleichheit unter den Bürgerinnen und Bürgern» (Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Art. 2, Abs. 3) nennt.

Für die Prävention und Gesundheitsförderung ist das Prinzip der gesundheitlichen Chancengleichheit eine zentrale konzeptuelle Grundlage. Bereits 1977 in der Strategie «Vision Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000» der WHO-Europa als konkretes Ziel festgehalten, nahm die «Chancengleichheit auf dem Gebiet der Gesundheit» (WHO 1986: 2) 1986 in der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung eine zentrale Stellung ein. «Gesundheitsförderndes Handeln», (ebd.) so hiess es in dem richtungsweisenden Grundlagendokument, «bemüht sich darum, bestehende soziale Unterschiede des Gesundheitszustandes zu verringern sowie […] Voraussetzungen zu schaffen, damit alle Menschen befähigt werden, ihr grösstmögliches Gesundheitspotenzial zu verwirklichen.» (ebd.)

An diese Zielsetzung anknüpfend unterscheidet die WHO heute zwischen «gesundheitlichen Ungleichheiten», die auf nicht-beeinflussbare Unterschiede in der Biologie oder die freie Wahl eines Individuums zurückgehen, und «gesundheitlichen Ungerechtigkeiten», die ihren Ausgang in der sozialen Ungleichheit zwischen den Menschen finden. Um letztere beeinflussen zu können, setzt die Prävention und Gesundheitsförderung etwa bei den Lebens- und Arbeitsbedingungen sozioökonomisch benachteiligter Individuen und besonders vulnerabler Gruppen wie beispielweise Migrantinnen und Migranten oder Personen in höherem Alter an. Im Rahmen des Settingansatzes versucht sie so über die Verhältnisse am Arbeitsplatz, in der Gemeinde oder in der Schule der ungleichen Verteilung von Gesundheitsressourcen entgegenzuwirken und zielgruppenspezifisch Risikofaktoren zu minimieren, Schutzfaktoren zu stärken und das Gesundheitsverhalten positiv zu beeinflussen.

Daneben steht die Erleichterung des Zugangs zu Angeboten der Gesundheitsversorgung und ein niederschwelliger, vereinfachter Zugang zu gesundheitsbezogenen Informationen im Zentrum einer auf gesundheitliche Chancengleichheit fokussierenden Prävention und Gesundheitsförderung. Im Rahmen der bundesrätlichen Strategie «Gesundheit 2020» zielen die Massnahmen der nationalen Strategien Sucht und Prävention Nichtübertragbarer Krankheiten (NCD) denn auch auf besonders vulnerable Gruppen, die oftmals kaum Zugang zu präventiven, gesundheitsfördernden und kurativen Angeboten finden. Das Thema «Gesundheitliche Chancengleichheit» stand 2018 im Fokus der Strategien, in den Folgejahren sind es einzelne Themen daraus wie «Gesund altern» und «Jugend».

Quellen

Altgeld, T. (2010): Gesundheitliche Chancengleichheit. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Leitbegriffe der Gesundheitsförderung. https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/gesundheitliche-chancengleichheit/, Zugriff 18.12.2018.

Gasser, K./Houmard, S. (2018): Soziale Benachteiligung erzeugt ungleiche Gesundheitschancen. spectra. Gesundheitsförderung und Prävention 119: 2-3.

Gesundheitsförderung Schweiz (2018): Chancengleichheit. In: quint-essenz.ch/Themen. https://www.quint-essenz.ch/de/topics/1275, Zugriff 18.12.2018.

Kaba-Schönstein, L. (2018): Gesundheitsförderung 2: Entwicklung vor Ottawa 1986. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Leitbegriffe der Gesundheitsförderung. https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/gesundheitsfoerderung-ii-internationale-entwicklung-historische-und-programmatische-zusammenhaenge-bis-zur-ottawa-charta-1986-und-den-folgekonferenzen/, Zugriff 28.08.2018.

Ruckstuhl, B. (2016), Ottawa-Charta: Geschichte einer neuen gesundheitspolitischen Konzeption. SuchtMagazin 42(3): 21-25.

Ruckstuhl, B. (2011): Gesundheitsförderung. Entwicklungsgeschichte einer neuen Public Health-Perspektive. Weinheim/München: Juventa.

Weber, M. (2018), Strategie Sucht: Schwerpunkt gesundheitliche Chancengleichheit. SuchtMagazin 44(5): 29-31.

Weber, D./Gross, C. S. (2018): Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in der Gesundheitsförderung. SuchtMagazin 44(5): 13-17.

WHO – World Health Organization (Hrsg.) (1986): Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung. Genf: WHO.

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