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Gesundheitsdeterminanten

Die Gesundheitsdeterminanten sind das Spektrum der persönlichen, sozialen, wirtschaftlichen und umweltbedingten Faktoren, die für die Lebenserwartung von Einzelpersonen und Bevölkerungsgruppen massgebend sind. Gesundheitsdeterminanten sind Faktoren, die positiven oder negativen Einfluss auf die Gesundheit eines Individuums entfalten. Sie können in fünf Bereichen angesiedelt werden: biologische Faktoren; individuelle Lebensweise; soziale Netzwerke und die Unterstützung und der Einfluss durch das soziale Umfeld; Lebens- und Arbeitsbedingungen; allgemeine sozioökonomische, kulturelle und ökologische Bedingungen.

Faktoren der Biologie und Genetik beziehen sich auf das Alter, das Geschlecht und die Erbanlage eines Menschen. Unter die individuelle Lebensweise fallen der Lebensstil und das Gesundheitsverhalten – wie die Ernährung oder der Konsum psychoaktiver Substanzen. Im Bereich «soziale Netzwerke» werden die soziale Integration in Netzwerke wie der Familie, dem Freundeskreis oder dem kommunalen Gemeinwesen erfasst. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen meinen Faktoren wie die Situation am Arbeitsplatz, Bildung, Wohnverhältnisse oder den Zugang zu Gesundheitsdiensten. Unter die allgemeinen sozioökonomischen, kulturellen und ökologischen Bedingungen schliesslich fallen Faktoren auf der Makroebene der Gesellschaft und der ökologischen Umwelt – zum Beispiel die soziale Ungleichheit.

Determinanten der Gesundheit stehen in komplexer Wechselbeziehung zueinander und müssen in ihrem Zusammenspiel betrachtet werden. Das Gesundheitsverhalten eines Menschen beispielsweise ist stark geprägt von übergeordneten Faktoren der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Finanzielle Ressourcen, Bildungsgrad, Wohnsituation, sozialer Status und die Verhältnisse am Arbeitsplatz haben einen grossen Einfluss auf den gesundheitlichen Lebensstil und das Verhalten einer Person – etwa ob sie raucht, wie sie sich ernährt oder wie körperlich aktiv sie ist. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen eines Individuums und ihre gesundheitlichen Auswirkungen wiederum hängen eng zusammen mit dem Grad der in einer Gesellschaft vorherrschenden sozialen Gleichheit. Die Forschung beschäftigt sich so auch mit dem Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit und der Frage nach den für das Gesundheitsverhalten bestimmenden Faktoren.

Manche Gesundheitsdeterminanten lassen sich nicht verändern (z. B. Alter, Geburtsort). Bei der Gesundheitsförderung geht es im Wesentlichen darum, auf das gesamte Spektrum der potenziell veränderbaren Gesundheitsdeterminanten einzuwirken – nicht nur auf die Faktoren, die mit den Handlungen von Einzelpersonen zusammenhängen, sondern auch auf diejenigen, die sich weitgehend der Kontrolle von Einzelpersonen und Gruppen entziehen. Dazu gehören beispielsweise das Einkommen, der Zugang zu Ressourcen, Bildung, Beschäftigung und guten Arbeitsbedingungen (oft als soziale Gesundheitsdeterminanten bezeichnet), der Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung und die umweltbedingten Gesundheitsdeterminanten. Die Gesundheitsförderung setzt bei diesem breiten Spektrum von Determinanten an, und zwar durch eine Kombination von Strategien, wie Förderung der Gesundheit in allen Politikbereichen, Schaffung eines gesundheitsfördernden Umfelds sowie Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz und Befähigung zur Gesundheit. Massnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsdeterminanten sind untrennbar mit der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit verbunden und befassen sich im Wesentlichen mit der Macht- und Ressourcenverteilung in der jeweiligen Bevölkerung.

Das Modell der Gesundheitsdeterminanten wird in der Literatur oftmals unter dem Begriff der «sozialen Gesundheitsdeterminanten» rezipiert. Anfänglich ging das auf Dahlgren und Whitehead (1991) zurückgehende Modell denn auch nur von vier Ebenen von Determinanten der Gesundheit aus. Persönliche Risiko- und Schutzfaktoren der genetischen Disposition und Biologie sowie der psychischen Konstitution wurden im ursprünglichen Konzept der Gesundheitsdeterminanten nicht miteinbezogen. Aus heutiger Sicht muss hingegen betont werden, dass eine gesundheitsfördernde Praxis nicht nur an strukturellen Faktoren auf der gesellschaftlichen Mikro- und Makroebene ansetzen kann, sondern auch an solchen der individuellen Biologie und Psyche sowie der Interaktion zwischen Anlage, Individuum und Umwelt.

Quellen

Abel, T./Kolip, P. (2018): Grundlagen von Gesundheitsförderung und Prävention. S. 161-171. In: M. Egger et al. (Hrsg.), Public Health kompakt. Berlin/Boston: Walter de Gruyter.

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Dahlgren, G./Whitehead, M. (1991): Policies and strategies to promote social equity in health. Stockholm: Institute for Futures Studies. https://www.researchgate.net/profile/Goeran-Dahlgren/publication/5095964_Policies_and_strategies_to_promote_social_equity_in_health_Background_document_to_WHO_-_Strategy_paper_for_Europe/links/569540f808aeab58a9a4d946/Policies-and-strategies-to-promote-social-equity-in-health-Background-document-to-WHO-Strategy-paper-for-Europe.pdf, Zugriff 28.03.2022.

Gesundheitsförderung Schweiz (2011): Gesundheitsdeterminanten. In: quint-essenz.ch/Themen. https://www.quint-essenz.ch/de/topics/1273/text_report.html, Zugriff 13.12.2018.

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[zuletzt aktualisiert am 14.11.2022]

Zitiervorschlag

Infodrog (JJJJ). Gesundheitsdeterminanten. Präventionslexikon: https://www.infodrog.ch/de/wissen/praeventionslexikon/gesundheitsdeterminanten.html, Zugriff 04.12.2022.

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