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Gesundheitskompetenz

Der Begriff Gesundheitskompetenz (engl.: Health Literacy) steht für die Fähigkeit eines Menschen, im privaten Alltag Entscheidungen zu treffen, die sich förderlich auf die Gesundheit auswirken. Sie ist bedingt durch das Vermögen eines Menschen, mit gesundheitsrelevanten Informationen kompetent umgehen und diese in ein aufgeklärtes, die Gesundheit förderndes Verhalten umsetzen zu können.

Gesundheitskompetenz kann nach Don Nutbeam (2000) in die drei Typen der «funktionalen», der «interaktiven» und der «kritischen» Kompetenz unterteilt werden. Mit der funktionalen Gesundheitskompetenz sind dabei die für das Verstehen und die Nutzung von gesundheitsspezifischen Informationen und Angeboten vorausgesetzten Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben gemeint. Unter die interaktive Gesundheitskompetenz fallen alle kognitiven und sozialen Fertigkeiten, die für eine aktive Auseinandersetzung mit gesundheitsrelevanten Informationen aus den verschiedenen Bereichen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens notwendig sind, und deren Umsetzung möglich machen. Die kritische Gesundheitskompetenz schliesslich meint die Fähigkeit zu einem hinterfragenden, differenzierten Umgang mit Information bezüglich Gesundheit – wie beispielsweise eine kritische Beschäftigung mit gesundheitsbezogenen Informationen aus dem Internet.

Eine hohe Gesundheitskompetenz hängt mit dem Lebensstil und folglich dem Gesundheitsverhalten eines Menschen zusammen. Als personale Ressource kann sie dazu beitragen, einem einzelnen Individuum mehr Kontrolle über gesundheitsbeeinflussende Faktoren zu ermöglichen. Der Prävention und Gesundheitsförderung kommt daher eine wichtige Funktion in der Förderung der Entwicklung von Gesundheitskompetenzen in Einrichtungen der Regelversorgung wie der Schule oder des Gesundheitssystems zu. Auch im Bereich der Schadensminderung, das heisst bei vorliegendem Konsum oder Risikoverhalten, stellt die individuelle Risiko- oder Konsumkompetenz als spezifische Form der Gesundheitskompetenz eine zentrale Ressource für einen kontrollierten Konsum dar. Die Förderung der Gesundheitskompetenz zur Stärkung der gesundheitlichen Eigenverantwortung ist so auch ein zentraler Leitgedanke der Nationalen Strategie Sucht 2017-2024 des Bundes.

Gesundheitsbezogene Kompetenzen können schliesslich den generellen Lebenskompetenzen zugeordnet werden. Diese stehen oftmals in spezifischen Programmen der Sucht- und Verhaltensprävention im Zentrum und werden von der WHO (1998: 11) definiert als «Fähigkeiten zur Anpassung und zu positivem Handeln, welche es Individuen ermöglichen, mit den Anforderungen und Herausforderungen des Lebens wirksam umzugehen.»

Quellen

Abel, T. (2018): Gesundheitskompetenz. S. 198-199. In: M. Egger et al. (Hrsg.), Public Health kompakt. Berlin/Boston: Walter de Gruyter.

Abel, T. et al. (2018): Health Literacy/Gesundheitskompetenz. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Leitbegriffe der Gesundheitsförderung. https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/health-literacy-gesundheitskompetenz/?marksuchwort=1, Zugriff 12.12.2018.

Bundesamt für Gesundheit (Hrsg.) (2015): Nationale Strategie Sucht 2017-2024. Bern: Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Gesundheitsförderung Schweiz (2011): Gesundheitskompetenz. In: quint-essenz.ch/Themen. https://www.quint-essenz.ch/de/topics/1273/text_report.html, Zugriff 13.12.2018.

Hafen, M. (2018), Gesundheitskompetenz, Lebenskompetenz und die Suchtprävention. SuchtMagazin 44(4): 5-13.

Nutbeam, D. (2000) Health literacy as a public health goal: a challenge for contemporary health education and communication strategies into the 21st century. Health Promotion International 15(1): 259-217.

Richter, M./Rosenbrock, R. (2018): Verhaltensprävention. S. 173-176. In: M. Egger et al. (Hrsg.), Public Health kompakt. Berlin/Boston: Walter de Gruyter.

Schneider, V. (2017): Gesundheitspädagogik. Einführung in Theorie und Praxis. Wiesbaden: Springer VS.

Soellner, R./Rudinger, G. (2018): Gesundheitskompetenz. S. 59-71. In: C.-W. Kohlmann et al. (Hrsg), Psychologie in der Gesundheitsförderung. Bern: Hogrefe.

WHO – World Health Organization (Hrsg.) (1998): Health Promotion Glossary. Geneva: WHO.

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