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Prävention

Mit Prävention werden alle Strategien und Massnahmen bezeichnet, die ergriffen werden, um das Auftreten, die Verbreitung und die negativen Auswirkungen von Krankheiten und Risikoverhalten zu verhindern oder zu vermindern.

Zur Einordnung präventiver Massnahmen existieren verschiedene Kategorisierungen und Terminologien. Im Suchtbereich hat sich die Einordnung nach Zielgruppen, welche «universelle», «selektive» und «indizierte» Prävention unterscheidet, als praxistauglich und präzise erwiesen. Die universelle Prävention richtet sich an ganze Populationen oder Segmente davon (zum Beispiel alle SchülerInnen der Oberstufe oder alle Personen im Rentenalter). In diese Kategorie fallen Präventionskampagnen oder Massnahmen auf Gemeinde- und Schulebene. Die selektive Prävention richtet sich an Gruppen mit erhöhten, empirisch bestätigten Risiken, beispielsweise Kinder aus suchtbelasteten Familien. Die indizierte Prävention fokussiert auf Individuen, die erste Symptome oder auffälliges Problemverhalten zeigen, bei denen die Diagnosekriterien zum Beispiel für eine Abhängigkeit jedoch noch nicht erfüllt sind. Hierunter fallen Angebote für PartybesucherInnen, die regelmässig in riskanter Weise Alkohol oder illegale Substanzen konsumieren. Indizierte Prävention wird teils mit Früherkennung und Frühintervention gleichgesetzt.

Die universelle Prävention macht insbesondere dann Sinn, wenn die Risiken breit in der Gesamtbevölkerung gestreut sind. Auch bei einer nur kleinen Absenkung der Risiken wird der zu erwartende Gesamteffekt für die ganze Bevölkerung aufgrund der grossen Zahl gross sein. Der individuelle Nutzen für Betroffene, wie beispielsweise Rauchende und Übergewichtige, ist dagegen gering. Dieses Phänomen wird auch das Präventionsparadox genannt. Die Prävention von Karies, Herz- und Kreislaufproblemen, Bewegungsmangel, Übergewicht oder Verkehrsunfällen sind einige typische Beispiele, bei denen eine universelle Strategie zweckmässig ist.

Sind die Risiken in der Gesellschaft jedoch ungleich verteilt, können die selektive oder die indizierte Prävention bei Risikogruppen die bessere Wahl sein. Selektive Prävention erlaubt eine spezifische Ansprache der Risikogruppen und zielgruppengerechte Umsetzung von Massnahmen – der erwartete Nutzen kann für diese Gruppen und Individuen deshalb grösser sein als bei einem universellen Ansatz. Der Effekt für die Gesamtbevölkerung wird jedoch gering ausfallen. Zwei Bedingungen sollten für eine erfolgreiche selektive Prävention erfüllt sein: Die Risikogruppen sind bekannt und innerhalb der Bevölkerung möglichst gut abgrenzbar. Überprüfte und wirksame Interventionen sind bekannt und werden richtig umgesetzt. Entsprechendes gilt für die indizierte Prävention bei Personen mit manifestem Risikoverhalten beziehungsweise ersten Problemanzeichen. Eine Kombination von universeller, selektiver und indizierter Prävention ist in vielen Fällen die beste Strategie.

Eine andere, ebenfalls zweckmässige Gliederung ordnet die präventiven Interventionen nach dem Wirkungskreis ein, indem die Verhaltensebene und die Verhältnisebene unterschieden wird. Die «Verhaltensprävention» fokussiert demnach auf die direkte Beeinflussung des individuellen Verhaltens; die «Verhältnisprävention» hingegen setzt bei den Umweltbedingungen und Strukturen an. Beispiele hierfür sind gesetzliche Massnahmen zur Einschränkung des Rauchens oder der zeitlichen und örtlichen Verfügbarkeit von Alkohol.

Bis Mitte der 1990er-Jahre war die häufigste Kategorisierung präventiver Massnahmen eine Unterteilung nach dem Zeitpunkt der Intervention in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Die Primärprävention setzt zeitlich vor dem Auftreten von Problemen oder Krankheitssymptomen ein und versucht, deren Auftreten zu verhindern. Die Sekundärprävention wendet sich an gefährdete Personen und befasst sich mit der frühzeitigen Erkennung von Symptomen und versucht, die Chronifizierung von Problemen zu verhindern sowie Risikoverhalten zu vermindern. Die Tertiärprävention zielt darauf ab, Folgeschäden von bestehenden Krankheiten zu verhindern und Rückfällen vorzubeugen.

Zum Grundverständnis von Prävention gehört auch, dass diese nur wirken kann, wenn sie an den von der Forschung identifizierten Determinanten von Krankheit und Gesundheit und den empirisch validierten Risiko- und Schutzfaktoren ansetzt.

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