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Substanzgebunden | Substanzungebunden

Bei einer Abhängigkeit wird zwischen der substanzgebundenen und der substanzungebundenen Abhängigkeit unterschieden. Eine Abhängigkeit kann beim Konsum von Alkohol, Tabak/Nikotin oder anderen psychoaktiven Substanzen entstehen (substanzgebunden), aber auch bei der Ausübung bestimmter Verhaltensweisen (substanzungebunden oder Verhaltenssüchte).

Die substanzgebundene Abhängigkeit gehört zu den psychischen Störungen und bezeichnet die Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen. Bei den Substanzen handelt es sich um natürliche, chemisch aufbereitete oder synthetische Stoffe. Alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie unser zentrales Nervensystem und damit unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen.

Als substanzungebundene Abhängigkeit hingegen gelten jene Formen psychischer Zwänge und Abhängigkeiten, die nicht an die Einnahme von psychoaktiven Substanzen gebunden sind. Sie sind durch wiederholte Handlungen gekennzeichnet, einhergehend mit einem langfristigen Kontrollverlust über die Nutzung. Dieser Kontrollverlust erlaubt es der Person nicht mehr, funktional in Bezug auf ihren Lebensentwurf und ihre sozialen Beziehungen zu sein, und wird von Leiden und Veränderungen in der Beziehung der Person zur Welt begleitet.

Die «internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD)» (siehe dazu ICD-10 und ICD-11) beschreibt derzeit zwei Formen der Verhaltenssüchte: Problematisches Geldspiel («Gambling»; Geld-Spielstörung mit Code 6C50) sowie Videospiel («Gaming»; Videospielnutzungsstörung mit Code 6C51). Daneben gibt es allerdings noch weitere problematische Verhaltensweisen, wie Kaufverhalten, Sexualverhalten, Umgang mit sozialen Medien und dem Internet. Inwiefern es sich dabei um Verhaltenssüchte handelt, ist derzeit noch Inhalt fachlicher Debatten. Das DSM-5 listet die Störung durch Online-Videospiele im Abschnitt über Probleme, die weitere Forschung erfordern, bevor sie als Diagnose etabliert werden können (APA, 2013).

Quellen

American Psychiatric Association (Hrsg.) (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition. Arlington, VA: American Psychiatric Association.

Batthyány, D./Pritz, A. (Hrsg.) (2009): Rausch ohne Drogen: Substanzungebundene Süchte. Wien/New York: Springer.

Bundesamt für Gesundheit (Hrsg.): Webseite zum Begriff Sucht. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/nationale-gesundheitsstrategien/strategie-sucht/begriff-sucht.html, Zugriff 06.05.2024.

Bundesamt für Gesundheit (Hrsg.): Webseite zum Begriff Verhaltenssüchte. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/sucht-und-gesundheit/verhaltenssuechte.html, Zugriff 06.05.2024.

Grüsser, S.M./Thalemann, C.N. (2006): Verhaltenssucht. Diagnostik, Therapie, Forschung. Bern: Huber.

Notari, L./Al Kurdi, C./Delgrande Jordan, M./Sivanesan, N. (2022): Glücks- und Geldspielnutzung, Videospiel, Sexualverhalten, Kaufverhalten, soziale Medien und Internet: Suchtverhalten ohne Substanz? Auslegeordnung zu wissenschaftlichen Evidenzen, Terminologie, Messskalen und Prävalenzen. Lausanne: Sucht Schweiz. https://admin.us18.list-manage.com/track/click?u=e06e354da24294196c8936dec&id=d97c9c8805&e=37ebc5a556, Zugriff 06.05.2024.

Zitiervorschlag

Infodrog (JJJJ). Substanzgebunden | Substanzungebunden. Präventionslexikon: https://www.infodrog.ch/de/wissen/praeventionslexikon/substanzgebunden-substanzungebunden.html, Zugriff 20.06.2024.

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