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Anabolika

Anabolika sind Substanzen, die unter anderem das Muskelwachstum fördern. Diverse Substanzgruppen werden zu Anabolika gezählt, wobei insbesondere die anabolen Steroide, Wachstumshormone, Insulin und selektive Androgenrezeptoragonisten erwähnt werden sollten. Insbesondere anabole Steroide, also Testosteron und deren synthetische Derivate machen die grösste Gruppe der Anabolika aus.

Anabolika gehören zu der Gruppe der form- und leistungsfördernden Substanzen (image and performance enhancing drugs, IPED), welche verwendet werden, um das Körperbild zu verbessern und die sportlichen Leistungsziele zu erreichen. Zu den IPED gehören viele weitere Substanzen. Anabole androgene Steroide (AAS) werden bisweilen auch zur sexuellen Leistungssteigerung eingesetzt, wobei Männer, die Sex mit Männern haben, eine Hochrisikopopulation darstellen. IPED sind eine breite Gruppe von über 100 Substanzen aus verschiedenen Substanzgruppen, welche zugelassene oder ehemalig zugelassene pharmazeutische Arzneimittel umfassen, aber auch Substanzen aus der Tiermedizin und Forschungssubstanzen, welche für den menschlichen Gebrauch nicht getestet wurden.

Der Konsum von IPED ist heute nicht mehr allein im Spitzensport, sondern mehrheitlich im Breitensport verbreitet. Die Substanzen werden häufig auf dem Schwarzmarkt bezogen, auf dem erhebliche Anteile der dort angebotenen Substanzen gefälscht sind und falsche Konzentrationen sowie nicht deklarierte Inhaltsstoffen enthalten. Dies betrifft bis zu drei von vier der auf dem Schwarzmarkt erworbenen Substanzen. Die Auswirkungen dieses Substanzkonsums auf die individuelle und die öffentliche Gesundheit können erheblich sein und stellt eine der neuesten globalen Substanzkonsumstörungen dar. Das Abhängigkeitspotential dieser Substanzen wird häufig unterschätzt, denn ein beträchtlicher Anteil – etwa 30 % – der Personen mit IPED-Konsum entwickeln ein Abhängigkeitssyndrom, das die Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt. Es besteht grosser Bedarf an Präventions-, Schadensminderungs- und Behandlungsprogrammen für diese wachsende und teils schwer erreichbare Population. Zudem stellt der problematische Konsum von psychoaktiven Substanzen in dieser Gruppe nicht selten ein Problem dar.

Wirkungen von Anabolika

Der nicht-medizinische Konsum von anabolen androgenen Steroiden (AAS) oder anderen form- und leistungssteigernden Substanzen wird als bequeme und schnell verfügbare Möglichkeit verwendet, den persönlichen Schönheitsidealen oder Leistungserwartungen zu entsprechen. Die gewünschte Wirkung auf das Körperbild erfolgt im Allgemeinen mit einer Verzögerung von Wochen oder Monaten, wobei die positiven Auswirkungen auf die Libido und das psychische Wohlbefinden schon vorher einsetzen.

Folgen des Konsums von Anabolika

Der Einsatz von IPED ist mit verschiedenen und teils auch schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden, welche viele Organe betreffen können, wie zum Beispiel das Herz-/Kreislaufsystem sowie den Stoffwechsel, das Fortpflanzungs- und Nervensystem und die psychische Gesundheit. Bei vielen Konsumierenden führt der Konsum von Anabolika zu einer Abhängigkeit. Die Abhängigkeit von solchen Substanzen erfüllt alle Kriterien einer Substanzkonsumstörung wie Toleranzentwicklung, Entzugssymptome, «Craving» (Drang, die Substanz wieder zu konsumieren), Dosissteigerung, Inkaufnahme von gesundheitlichen Risiken, erfolglose Absetzungsversuche und die Vernachlässigung anderer Pflichten zugunsten des Konsums.

Der Konsum von Anabolika hat ebenfalls zur Folge, dass die natürliche Testosteronproduktion unterdrückt wird und Hypogonadismus (Testosterondefizit sowie ein Defizit in der Spermienproduktion) zur Folge hat und auch zu Hodenatrophie (Schrumpfhoden) führen kann. Der Hypogonadismus geht mit Libidoverlust, erektiler Dysfunktion, verminderter Energie und Depression bis hin zur Suizidalität einher. Weiter kann der Anabolikakonsum zu einem Wachstum der männlichen Brustdrüsen führen. Aber auch die sogenannte Anabolika-Akne, Haarausfall am Kopf, verstärktes Haarwachstum am Körper sowie die Abnahme der Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung gehören zu den Folgen des Anabolikakonsums.

Hilfe, Beratung und Therapie bei Fragen rund um Anabolika

Für Betroffene, Angehörige und andere an der Suchtthematik Interessierte gibt es verschiedene Informations- und Beratungsmöglichkeiten in allen Regionen der Schweiz sowie Onlineangebote. Bei Suchtberatungsstellen können Termine vereinbart werden. Viele Angebote sind kostenlos, und die Berater:innen unterliegen der Schweigepflicht.

Hilfe vor Ort

In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.

Die Arud, Zentrum für Suchtmedizin, bietet Diagnostik, individuelle Begleitung und evidenzbasierte medizinische Behandlung von Anabolika-Konsument:innen:

Das Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) bietet sportspezifische, psychiatrisch-psychotherapeutische Abklärung, Beratung und Behandlung bei psychischer Belastung durch form- und leistungsfördernde Medikamente für Freizeitsportler:innen:

Weitere Kontaktadressen für Menschen mit Anabolikakonsum:

Onlineberatung

Kostenlose und anonyme Onlineberatung zu Suchtfragen für Betroffene, Angehörige und Nahestehende, für Fachpersonen und Interessierte.

Prävention von Anabolika-Konsum

Durch präventive Massnahmen soll der Einstieg in den Konsum verhindert oder hinausgezögert werden. Gleichzeitig hat die Prävention zum Ziel, dass ein verantwortungsvoller und kontrollierter Umgang mit psychoaktiven Substanzen ermöglicht wird. Gängige Massnahmen sind zielgruppenspezifische Informationen über die Konsumrisiken sowie die Früherkennung und Frühintervention problematischer Konsumformen.

Schadensminderung bei Anabolika-Konsum

Die Schadensminderung hat zum Ziel, die negativen Folgen des Konsums psychoaktiver Substanzen für Betroffene und die Gesellschaft zu minimieren.

Eine wichtige Massnahme der Schadensminderung bei Anabolika-Konsum ist das Zurverfügungstellen von sterilem Injektionsmaterial (Arud stellt bspw. Spritzensets gratis zur Verfügung), da bei der Wiederverwendung und gemeinsamen Verwendung von Spritzen oder Nadeln sowie das Teilen von Mehrfachampullen mit einer anderen Person das Risiko einer Übertragung einer Infektionskrankheit wie Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV besteht.

Eine weitere Möglichkeit zur Schadensminderung bei Schwarzmarktpräparaten ist das Testen der Substanzen in einem Drug Checking, bei welchem die tatsächliche Zusammensetzung der Substanzen festgestellt werden kann. Diesbezüglich hat nach aufwändigen Abklärungen bezüglich der Rechtsgrundlage das Drogeninformationszentrum (DIZ) Zürich im Herbst 2023 ein Pilotprojekt durchgeführt, in welchem anabol androgene Steroide im DIZ entgegengenommen und User:innen dazu beraten wurden. Im Frühling 2024 startet eine zweite Pilotphase und ein Übergang in den Regelbetrieb wird geprüft.

Arud – Zentrum für Suchtmedizin, hat im Rahmen des schädlichen Anabolikagebrauchs das erste spezialisierte medizinische Versorgungsangebot für Anabolikakonsument:innen in der Schweiz lanciert:

Regulierung und Gesetzesvollzug im Bereich Anabolika

Im Bundesgesetz über die Förderung von Sport und Bewegung (SpoFöG) gibt es einen Abschnitt zu Doping, in welchem gemäss Artikel 20 der Import von Dopingmitteln verboten ist. Dieses Gesetz gilt unabhängig von der Sportart oder den sportlichen Aktivitäten, somit auch für den Breitensport. Es gibt keine «Freimenge», das heisst der Import jeglicher Menge von Dopingmitteln ist verboten.

Die Schweizer Anti-Dopinggesetze beeinträchtigen unbeabsichtigt die medizinische Versorgung von Menschen mit problematischem Anabolikakonsum ausserhalb des Wettkampfsports, indem sie spezialärztliche Unterstützung verhindern. Die rechtlichen Vorgaben zur Dopingbekämpfung in der Schweiz (SpoFöG) und insbesondere der Anhang 5 der FMH-Standesordnung (https://www.fmh.ch/files/pdf24/anhang-5-standesordnung-fmh.pdf vgl. Ziff. 4.4) sind so verfasst, dass sie die medizinische Versorgung von Menschen mit problematischem Anabolikakonsum mit einer Rechtsunsicherheit konfrontieren, auch wenn diese keinen Wettkampfsport betreiben.

Medizinische Verwendung von Anabolika

Anabole Steroide werden klinisch zur Behandlung niedriger Testosteronspiegel bei männlichem Hypogonadismus eingesetzt. Und weil Anabolika die Proteinausnutzung verbessern, werden sie Patient:innen mit schweren Verbrennungen, bettlägerigen oder anderweitig geschwächten Patient:innen verabreicht, um den Muskelabbau zu verhindern.

Zahlen zum Anabolika-Konsum

Genaue Zahlen zum Anabolikakonsum in der Schweiz sind nicht vorhanden, wobei jedoch in Anlehnung an Studien aus dem Ausland auch in der Schweiz etwa 200-300'000 Anabolikakonsument:innen erwartet werden. Die weltweite Lebenszeitprävalenz des Anabolika-Konsums in der Allgemeinbevölkerung wird auf 1 bis 5 % geschätzt, wobei diese Prävalenz im Freizeitsport mit rund 15-30 % deutlich höher eingeschätzt wird. Bei rund 70-80 % handelt es sich nicht um Profisportler:innen, sondern um Freizeitsportler:innen. Es handelt sich dabei typischerweise um heterosexuelle Männer, die zwischen 20 und 30 Jahren alt sind. Aber auch Frauen sind vom Konsum betroffen.

Weiterführende Informationen zu Anabolika für Fachpersonen

Quellen

Butzke, I, Bruggmann, P, Beck, T. (2023). Rechtlich unsichere Versorgung von Anabolika-Konsumierenden. Schweiz Ärzteztg. 2023;104(24):38-39. https://doi.org/10.4414/saez.2023.21677

Butzke, I, Iff, S, Zitzmann, M, Quednow, B. B, Claussen, M. C. (2022). Interdisziplinäre und psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei Gebrauch von anabolen androgenen Steroiden. Praxis. https://econtent.hogrefe.com/doi/epdf/10.1024/1661-8157/a003867

Iff, S, Butzke, I, Quednow, B. B, Gupta, R, Imboden, C, Claussen, M. C. (2021, December). «Image and performance enhancing drugs» im Freizeitsport. In Swiss Medical Forum (Vol. 21, pp. 843-847). EMH Swiss Medical Publishers. https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/211208/1/smf-08867-de.pdf

Iff, S, Butzke, I, Zitzmann, M, Schneiter, R, Hunziker, M, Quednow, B. B, Claussen, M. C. (2022). IPED-Gebrauch im Freizeitsport. Praxis. https://econtent.hogrefe.com/doi/abs/10.1024/1661-8157/a003872?journalCode=prx

Kruijver, M, Bruggmann, P, Magnolini, R (2023). Evidence of use and users of image-and performance-enhancing drugs in sports in Switzerland: a scoping literature review and implications for Swiss drug policy. Swiss Medical Weekly, 153(5), 40080-40080. https://smw.ch/index.php/smw/article/view/3336/5684

Magnolini, R, Falcato, L, Cremonesi, A, Schori, D, Bruggmann, P (2022). Fake anabolic androgenic steroids on the black market–a systematic review and meta-analysis on qualitative and quantitative analytical results found within the literature. BMC Public Health, 22(1), 1371. https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s12889-022-13734-4.pdf?pdf=button

News zum Thema Anabolika

Anabolika Drug Checking wird fortgesetzt (Pilotprojekt)

Im vergangenen Jahr konnte das DIZ (Drogeninformationszentrum Zürich) über fünf Wochen ein spezifisches Drug-Checking für Menschen, welche AAS(anabol androgene Steroidhormone)-Medikamente konsumieren, anbieten. Die abgegebenen Substanzen wurden auf Reinheitsgehalt, Falschdeklarationen, Verunreinigungen usw. analysiert und das Resultat den User:innen mitgeteilt. Das DIZ kann nun bis Ende Jahr 2024, eine längere, zweite Testphase des Angebotes durchführen.

Sechste Aktionswoche für Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung

Zum sechsten Mal findet vom11. bis 17. März 2024 die Aktionswoche für Kinder  von Eltern mit einer Suchterkrankung  statt. Zahlreiche Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Sucht, Familie, Kinder- und Jugendschutz oder verwandten Bereichen wirken jedes Jahr mit, indem sie Aktivitäten, Veranstaltungen oder Öffentlichkeitsarbeit rund um die Thematik «Kinder von Eltern mit Suchterkrankung» organisieren.

Abhängig von Anabolika?

Der Konsum von Anabolika ist heute nicht mehr allein im Spitzensport, sondern mehrheitlich im Breitensport verbreitet. Bei rund 30% der Personen mit Anabolika-Konsum führt der Konsum von Anabolika zu einer Abhängigkeit, die alle Kriterien einer Substanzkonsumstörung erfüllt. Die Auswirkungen dieses Substanzkonsums auf die individuelle und die öffentliche Gesundheit können erheblich sein und stellt eine der neuesten globalen Substanzkonsumstörungen dar.

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