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Cannabis

Cannabis ist die am meisten konsumierte illegale Substanz in der Schweiz. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene sowie Männer nehmen Cannabis. Viele Personen konsumieren Cannabis risikoarm. Ein Beginn in frühen Jahren sowie regelmässiger oder an die Situation unangepasster Konsum können jedoch zu körperlichen, psychischen oder sozialen Problemen führen.

Teile der getrockneten Hanf-Pflanze werden in Form von Marihuana («Gras») oder Haschisch («Dope», «Shit») konsumiert. Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sind die wichtigsten Wirkstoffe unter den rund 400 chemischen Inhaltsstoffen. Das THC erzeugt die psychoaktive Wirkung. Cannabis wird in den meisten Fällen geraucht oder inhaliert, in selteneren Fällen auch Getränken oder Esswaren beigegeben und oral aufgenommen.

Wirkungen von Cannabis

Bei jeder psychoaktiven Substanz hängt die Wirkung von der Dosierung und der Wirkstoffkonzentration ab. Darüber hinaus beeinflussen auch die Person (Alter, Geschlecht, Gewicht), deren Grundstimmung («Set») sowie die Situation und die Umgebung («Setting») das Konsumerlebnis.

Der Wirkstoffgehalt und die Kombination der Cannabinoide variieren je nach Cannabissorte. Manche Sorten wirken eher beruhigend, andere leicht halluzinogen. Die Wirkung tritt beim Rauchen innerhalb weniger Minuten ein. Bei oraler Einnahme ist die Wirkung verzögert, sie tritt häufig sehr plötzlich ein und hält länger an.

Als unmittelbare körperliche Wirkungen können unter anderem ein trockener Mund, ein erhöhter Blutdruck, eine leichte Steigerung der Herzfrequenz, Augenrötung und Übelkeit auftreten. Zu den unmittelbaren psychischen Wirkungen gehört eine Anhebung der Stimmungslage. Neben Entspannung und einem Gefühl der inneren Ruhe zeigen sich auch eine eingeschränkte Merkfähigkeit, bruchstückhaftes Denken sowie eine verminderte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit.

Bei hohen Dosen und Sorten mit wenig CBD ist eine Überdosierung möglich, mit Symptomen wie Kreislaufprobleme bis hin zum Kreislaufkollaps, unangenehme Gefühlsintensivierungen, im schlimmsten Fall Paranoia und depressive Verstimmungen.

Bei regelmässig Konsumierenden kann THC bis 12h oder mehr nach dem Konsum im Blut nachgewiesen werden, im Urin sogar mehrere Tage. Im Fettgewebe und in verschiedenen Organen kommt es zu einer Ablagerung von Cannabis beziehungsweise der Stoffwechselprodukte.

Folgen des Cannabiskonsums

Die körperlichen Auswirkungen von regelmässigem Konsum betreffen insbesondere das Atemsystem. Da Cannabisrauch in der Regel tief inhaliert und lange in der Lunge gehalten wird, gibt es ein Risiko für Entzündungen der Atemwege, Kurzatmigkeit, chronischen Husten und Bronchitis. Und da Cannabis häufig mit Tabak gemischt konsumiert wird, bestehen die gleichen Risiken wie für Tabakkonsum alleine, vor allem erhöht sich das Risiko für Krebserkrankungen und wahrscheinlich für Infarkte.

In der Regel werden die psychischen und sozialen Folgen als schwerwiegender eingeschätzt als die körperlichen Folgen. Es besteht die Gefahr, dass bei regelmässigem und länger anhaltendem Cannabiskonsum sowie bei einem frühen Einstieg psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Psychosen ausgelöst werden können bzw. deren Entwicklung beschleunigt wird. Es ist auch möglich, dass sich infolge des Konsums eine Abhängigkeit entwickelt. Wird Cannabis mit Tabak vermischt, besteht die Gefahr einer Nikotinabhängigkeit.

Der Mischkonsum von Cannabis mit anderen psychoaktiven Substanzen kann die Wirkung verstärken, abschwächen oder verändern, mit unvorhersehbaren Folgen. Deswegen sollte Cannabis nicht zusammen mit anderen Drogen eingenommen werden.

Bei Abstinenz nach einer Phase längeren Konsums sind Schweissausbrüche, Hitze-/Kälteschauer, Appetitlosigkeit, Einschlafschwierigkeiten und Gereiztheit möglich.

Die Schwangerschaft ist eine sensible Phase für die Entwicklung des Kindes. Schwangeren Frauen wird daher geraten, keinen Cannabis, Alkohol, Tabak oder andere psychoaktive Substanzen zu konsumieren. Ausserdem ist es verboten, im Strassenverkehr und beim Bedienen von Maschinen Cannabis zu konsumieren.

Hilfe, Beratung und Therapie bei Fragen rund um Cannabis

Für Betroffene, Angehörige und andere an der Suchtthematik Interessierte gibt es verschiedene Informations- und Beratungsmöglichkeiten in allen Regionen der Schweiz sowie Onlineangebote. Bei Suchtberatungsstellen können Termine vereinbart werden. Viele Angebote sind kostenlos, und die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht.

Hilfe vor Ort

In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.

Onlineberatung

Kostenlose und anonyme Onlineberatung zu Suchtfragen für Betroffene, Angehörige und Nahestehende, für Fachpersonen und Interessierte:

Prävention von Cannabiskonsum

Durch präventive Massnahmen soll der Einstieg in den Konsum verhindert oder hinausgezögert werden. Gleichzeitig hat die Prävention zum Ziel, dass ein verantwortungsvoller und kontrollierter Umgang mit psychoaktiven Substanzen ermöglicht wird. Gängige Massnahmen sind zielgruppenspezifische Informationen über die Konsumrisiken sowie die Früherkennung problematischer Konsumformen.

Publikationen zu Cannabis

Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen im Bereich Cannabis zum Download zur Verfügung.

Feel-ok.ch

Ein informatives Internetportal für Jugendliche, Lehrpersonen und Multiplikator:innen.

Schadensminderung bei Cannabiskonsum

Die Schadensminderung hat zum Ziel, dass die negativen Folgen des Konsums psychoaktiver Substanzen für Betroffene und die Gesellschaft minimiert werden.

Eine wichtige Massnahme der Schadensminderung ist die Kombination von Testen (Drug Checking) und Informieren (Informationen/Kurzberatungen). Durch das Testen kann die tatsächliche Zusammensetzung der Drogen in mobilen Labors oder vor Ort festgestellt werden und die negativen Folgen aufgrund beigemischter Substanzen verringert werden. Diese Kontroll-Tests werden durch begleitende Gespräche und durch Erklärungen der Substanzanalyse mit klaren Präventionsbotschaften ergänzt. Auf verschiedenen Websites können sich Konsumierende über Safer-Use-Regeln informieren. Die Websites geben Empfehlungen zu Konsumpraktiken und liefern detaillierte Informationen über die spezifischen Substanzen (Risiken, Langzeiteffekte usw.).

Hilfe vor Ort

In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.

Praxis Suchtmedizin

Informationen zu Cannabis für Fachpersonen

Regulierung und Gesetzesvollzug im Bereich Cannabis

Das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und die entsprechenden Verordnungen regeln den Umgang mit Betäubungsmitteln und psychotropen Stoffen sowie die Aufgabenteilung der zuständigen nationalen und kantonalen Behörden. Cannabis unterliegt dem BetmG.

Verwendung von Cannabis als Medikament und in CBD-Produkten

THC-haltige Medikamente können bei verschiedenen Krankheitsbildern und Symptomen (z. B. Schmerzen, Multiple Sklerose) durch Ärzt:innen verschrieben werden. Im August 2022 trat eine Gesetzesrevision in Kraft, welche den Zugang von kranken Menschen zu Cannabisarzneimitteln erleichtert.

Der Konsum und der Besitz von Cannabis(-produkten) mit einem THC-Gehalt von unter 1 % sind nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Diese Produkte sind frei im Schweizer Handel erhältlich. Sie enthalten oft unterschiedliche Anteile an CBD und haben wenige oder keine psychoaktiven Effekte.

Zahlen zum Cannabiskonsum

Weiterführende Informationen zu Cannabis für Fachpersonen

Praxis Suchtmedizin

Medizinische Informationen für Hausärzt:innen sowie weitere Berufsgruppen der medizinischen Grundversorgung.

Informationsplattform für Prävention im Praxisalltag

PEPra ist ein Projekt der FMH und weiterer Trägerorganisationen zur Förderung der Prävention und Früherkennung von nicht übertragbaren Krankheiten, Sucht und psychischer Gesundheit in der ambulanten medizinischen Grundversorgung.

Publikationen im Suchtbereich

Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen zum Download zur Verfügung.

News zum Thema Cannabis

Cannabis soll kontrolliert und legal zugänglich sein, aber nicht gefördert werden

Die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) setzt sich für einen legalen Zugang von kontrollierten Cannabisprodukten für Erwachsene in der Schweiz ein. Mit dem Verbot von Cannabis lässt sich der Konsum in der Bevölkerung nicht reduzieren, der Schwarzmarkt blüht und die Sicherheit der Konsumierenden ist nicht gewährleistet. Die EKSN begrüsst darum eine Aufhebung des Verbots und die Einführung einer Regulierung von Cannabis.

9. Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2022

Bei dem 9. Alternativen Drogen- und Suchtbericht wurden international anerkannte Expert:innen der Cannabislegalisierung zusammengeführt. Der Bericht hat zum Ziel, mit den praktischen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Europa die Debatte um die anstehende Legalisierung von Cannabis in Deutschland zu bereichern.

Cannabislegalisierung Uruguay: Ein Modell für Europa?

Uruguay war vor bald 10 Jahren das erste Land weltweit, das Marihuana vollständig legalisierte. Die Erfahrungen im südamerikanischen Land sind für die Legalisierung in der Schweiz, aber auch in ganz Europa aufschlussreich.

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