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Methamphetamin

Methamphetamin ist ein starkes synthetisches Stimulans, das mit den Amphetaminen verwandt ist. Es existiert in mehreren Formen (als Tablette: «Pervitin®», Thaipille oder Yaba; als Kristalle oder kristallines Pulver: Crystal Meth wird auch «Ice», «Crystal» oder «Shabu» genannt; als Pulver: auch «Meth» genannt). Da Methamphetamin schneller ins Hirn gelangt als Amphetamine und seine Wirkung stärker ist, ist das Abhängigkeitspotenzial grösser.

Methamphetamin wird oral eingenommen, gesnifft oder weniger häufig auch inhaliert (Rauch) oder injiziert.

Wirkungen von Methamphetamin

Bei jeder psychoaktiven Substanz hängt die Wirkung von der Dosierung und der Wirkstoffkonzentration ab. Darüber hinaus beeinflussen auch die Person (Alter, Geschlecht, Gewicht), deren Grundstimmung («Set») sowie die Situation und die Umgebung («Setting») das Konsumerlebnis.

Methamphetamin ist ein Stimulans des zentralen Nervensystems, das auf die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin wirkt. Seine Wirkung ist ähnlich wie bei den Amphetaminen, aber es gelangt viel schneller ins Hirn und wirkt dort nachhaltiger und stärker. Methamphetamin verursacht einen sehr starken Flash und verfügt über ein grosses Abhängigkeitspotenzial.

Die Freisetzung von Neurotransmittern führt zu physischen und psychischen Wirkungen, wie eine gesteigerte Energie und Leistung, ein gestärktes Selbstvertrauen, Euphorie, Enthemmung und ein gesteigertes Lustgefühl, weshalb Methamphetamin als «sexuelle Droge» genutzt wird. Ausserdem nehmen das Müdigkeits- und Hungergefühl ab. Ferner zeigen die Konsumierenden eine höhere Risikobereitschaft, Schmerzunempfindlichkeit, extreme Nervosität und ein gesteigertes Sprechbedürfnis (Logorrhö). Die Körpertemperatur und der Blutdruck steigen an. Der Abbau von Methamphetamin im Körper ist schwierig, daher kann die Wirkung lange andauern.

Es wurden mehrere kurzfristige physische und psychische Nebenwirkungen beobachtet: Kieferverspannungen, Bauchkrämpfe, Austrocknen des Mundes, Erhöhung der Körpertemperatur, starke Dehydrierung, Beschleunigung des Herzschlags oder Herzrhythmusstörung, Erhöhung des Blutdrucks, Zittern, Reizbarkeit und aggressives Verhalten (vor allem in Kombination mit Alkohol).

Die besonders gesundheitsgefährdenden Risiken bei einer Methamphetamin-Überdosierung sind Krämpfe, erhöhter Blutdruck, schnelle oder erschwerte Atmung, Leber- und/oder Nierenversagen, eine stark erhöhte Körpertemperatur oder Schüttelfrost, Herzinfarkt oder Herzkreislaufkollaps bis hin zum Tod. Das Risiko einer Überdosierung steigt, wenn Methamphetamin injiziert wird.

Die Wirkungen beginnen beim Sniff nach ungefähr 10 bis 20 Minuten, bei oraler Einnahme nach 30 bis 45 Minuten und bei Inhalation und Injektion nach ein paar Sekunden. Die Wirkung kann lange anhalten und dauert zwischen 6 und 30 Stunden. Die Nebenwirkungen können bis zu 70 Stunden anhalten.

Methamphetamin wird auch bei der Praktik Chemsex angewandt (Kombination der Begriffe «chemical» und «sex»). Dabei handelt es sich um die freiwillige Einnahme von neuen psychoaktiven Substanzen in sexuellen Beziehungen, um diese zu «erleichtern», «zu verstärken» und «zu intensivieren». Diese Praktik kommt hauptsächlich bei Männern vor, die Sex mit anderen Männern haben (MSM). In Zusammenhang mit Chemsex und Methamphetamin wird von Injektion (slam) und seltener von analem Einführen (plug) berichtet. Die Idee dabei ist, psychologische Barrieren zu senken und die sexuellen Empfindungen zu verstärken. Infolge der Enthemmung, die der Konsum von Methamphetamin bewirkt, zeigen sich vermehrt riskante sexuelle Verhaltensmuster, wodurch die Gefahr der Übertragung und Ansteckung mit sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wie HIV, Hepatitis usw. steigt.

Folgen des Methamphetaminkonsums

Methamphetamin hat ein sehr starkes Suchtpotenzial und es kann sich schnell eine Gewöhnung einstellen, welche die Konsumierenden dazu zwingt, die Dosis zu erhöhen, um die gleichen Wirkungen zu verspüren.

Der Konsum von Methamphetamin führt zu psychischen Auswirkungen wie Angststörungen, Craving – unbändige Lust, erneut zu konsumieren (ausgeprägter bei Inhalation) –, depressive Störungen, permanenter Unruhezustand, starke Anspannung, Panikstörung, Paranoia (psychotische Störungen), Halluzinationen, Empfindlichkeit, Erregbarkeit, Reizbarkeit, impulsives und aggressives Verhalten und Schlafstörungen.

Die physischen Folgen eines regelmässigen Methamphetamin-Konsums sind Hautentzündungen (Pickel), Zahnprobleme oder «meth mouth» (Zahnverlust, Karies, angegriffener Zahnschmelz, Mundverletzungen) infolge schlechter Ernährung, unzureichender Mundhygiene und Kieferverspannungen (Zähneknirschen), Gewichtsverlust, Nieren- und Leberschäden und Magenschmerzen. Der Sniff beschädigt die Nasenschleimhäute und -scheidewände, die Einnahme schädigt die Magenschleimhäute, das Rauchen greift die Lunge an und erhöht das Krebsrisiko. Der regelmässige Konsum begünstigt ausserdem Hirnblutungen und plötzliche Lähmungen und es wird vermutet, dass der Konsum von Methamphetamin zu irreversiblen Veränderungen und Schäden am Hirn führt.

Im Allgemeinen sind die psychischen und sozialen Folgen des Methamphetamin-Konsums schwieriger einzuschätzen als die physischen Folgen. Die Einnahme von Methamphetamin geht mit schwerwiegenden psychischen Gesundheitsproblemen einher, die noch Monate nach dem letzten Konsum bestehen können.

Der gleichzeitige Konsum von Methamphetamin und weiteren psychoaktiven Substanzen (einschliesslich Medikamente und Alkohol) kann die Wirkungen der Substanzen mit unabsehbaren Folgen verstärken, abschwächen oder verändern. Deshalb sollte Methamphetamin nie gleichzeitig mit anderen Substanzen konsumiert werden.

Beim Entzug können folgende Symptome auftreten: Schwitzen, Müdigkeit, Schlafbedürfnis, Schlaflosigkeit, Unruhezustand, «Craving», erhöhter Appetit, Depression, Magenschmerzen, Alpträume, Ängstlichkeit usw. Diese Symptome treten in den ersten Stunden nach dem letzten Konsum auf und können ein bis zwei Wochen andauern. Die psychischen Symptome sind wesentlich länger vorhanden und können Monate andauern.

Bei Frauen kann eine Störung des Monatszyklus auftreten. Der Konsum von Methamphetamin während der Schwangerschaft gefährdet die Gesundheit des Kindes. Der Wirkstoff gelangt über das Blut zum Fötus, was zu schweren Entwicklungs- und Verhaltensstörungen beim Kind führen kann. Die Einnahme von Methamphetamin kann Wehen und eine Frühgeburt auslösen.

Ferner ist der Konsum von psychoaktiven Substanzen vor dem Lenken eines Motorfahrzeugs oder der Verwendung von speziellen Werkzeugen und Maschinen verboten.

Hilfe, Beratung und Therapie bei Fragen rund um Methamphetamin

Für Betroffene, Angehörige und andere an der Suchtthematik Interessierte gibt es verschiedene Informations- und Beratungsmöglichkeiten in allen Regionen der Schweiz sowie Onlineangebote. Bei Suchtberatungsstellen können Termine vereinbart werden. Viele Angebote sind kostenlos, und die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht.

Hilfe vor Ort

In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.

Onlineberatung

Kostenlose und anonyme Onlineberatung zu Suchtfragen für Betroffene, Angehörige und Nahestehende, für Fachpersonen und Interessierte:

Prävention von Methamphetaminkonsum

Durch präventive Massnahmen soll der Einstieg in den Konsum verhindert oder hinausgezögert werden. Gleichzeitig hat die Prävention zum Ziel, dass ein verantwortungsvoller und kontrollierter Umgang mit psychoaktiven Substanzen ermöglicht wird. Gängige Massnahmen sind zielgruppenspezifische Informationen über die Konsumrisiken sowie die Früherkennung problematischer Konsumformen.

Publikationen zu Amphetaminen

Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen im Bereich Amphetamine zum Download zur Verfügung.

United Nations Office on Drugs and Crime (Englisch)

Schadensminderung bei Methamphetaminkonsum

Die Schadensminderung hat zum Ziel, dass die negativen Folgen des Konsums psychoaktiver Substanzen für Betroffene und die Gesellschaft minimiert werden.

Eine wichtige Massnahme der Schadensminderung ist die Kombination von Testen (Drug Checking) und Informieren (Informationen/Kurzberatungen). Durch das Testen kann die tatsächliche Zusammensetzung der Drogen in mobilen Labors oder vor Ort festgestellt werden und die negativen Folgen aufgrund beigemischter Substanzen verringert werden. Diese Kontroll-Tests werden durch begleitende Gespräche und durch Erklärungen der Substanzanalyse mit klaren Präventionsbotschaften ergänzt. Auf verschiedenen Websites können sich Konsumierende über Safer-Use-Regeln informieren. Die Websites geben Empfehlungen zu Konsumpraktiken und liefern detaillierte Informationen über die spezifischen Substanzen (Risiken, Langzeiteffekte usw.).

Hilfe vor Ort

In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.

Praxis Suchtmedizin

Informationen zu den Methamphetamin für Fachpersonen.

Regulierung und Gesetzesvollzug im Bereich Methamphetamin

Das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und die entsprechenden Verordnungen regeln den Umgang mit Betäubungsmitteln und psychotropen Stoffen sowie die Aufgabenteilung der zuständigen nationalen und kantonalen Behörden. Methamphetamin unterliegt dem BetmG.

Medizinische Verwendung von Methamphetamin

Der Einsatz von Medikamenten auf Methamphetamin-Basis ist in der Schweiz verboten.

Zahlen zum Methamphetaminkonsum

Zahlen zum Methamphetaminkonsum in der Schweiz, zu den Folgen und dem Markt finden sich auf folgenden Seiten.

Weiterführende Informationen zu Methamphetamin für Fachpersonen

Praxis Suchtmedizin

Medizinische Informationen für Hausärzt:innen sowie weitere Berufsgruppen der medizinischen Grundversorgung.

Informationsplattform für Prävention im Praxisalltag

PEPra ist ein Projekt der FMH und weiterer Trägerorganisationen zur Förderung der Prävention und Früherkennung von nicht übertragbaren Krankheiten, Sucht und psychischer Gesundheit in der ambulanten medizinischen Grundversorgung.

Publikationen im Suchtbereich

Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen zum Download zur Verfügung.

News zum Thema Methamphetamin

Zahl der Drogentoten in den USA auf historischem Höchststand

Die Zahl der Drogentoten in den USA ist im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert von mehr als 107'000 gestiegen - das entspricht einer tödlichen Überdosis ungefähr alle fünf Minuten. Die Zahl der Drogentoten nahm im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent zu.

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