Newsletter | August 2026

NEWS
August 2026

Sicher feiern: Drug Checking und Substanzwarnungen

Beim Drug Checking lassen Sie Ihre Substanzen analysieren, um deren genaue Zusammensetzung zu erfahren. Diese in mehreren Städten der Schweiz angebotenen Dienstleistungen bieten Ihnen zudem die Möglichkeit, sich mit Fachleuten auszutauschen. Alle analysierten Substanzen sind auf der Seite Substanzwarnungen von Infodrog aufgelistet. Anlässlich der Street Parade bietet Saferparty am 8. August 2026 in Zürich kostenloses und anonymes mobiles Drug Checking an. Das Angebot befindet sich ab 13 Uhr am Bürkliplatz.

Am 28. Juli war der Welt-Hepatitis-Tag: Let's break it down.

Am 28. Juli wurde weltweit der Welt-Hepatitis-Tag begangen. Hepatitis B und C verlaufen oft lange ohne Symptome und bleiben deshalb unerkannt. Frühzeitige Tests ermöglichen eine wirksame Behandlung und können schwere Leberschäden verhindern. Der Aktionstag macht auf die Bedeutung von Prävention, Testangeboten und einem niederschwelligen Zugang zur Versorgung aufmerksam.

Prevention.ch: Konsumräume im Fokus

Vor 40 Jahren entsteht in Bern aus einer akuten Krise heraus ein einzigartiges Angebot: der allererste Drogenkonsumraum. Contact Stiftung für Suchthilfe leistet damit Pionierarbeit im Bereich der Schadensminderung – mit Wirkung weit über die Schweiz hinaus. Zu diesem Anlass hat Infodrog in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Contact auf prevention.ch eine Sammlung mit Grundlagen, aktuellen Entwicklungen und Beispiele aus der Schweiz zum Thema Konsumräume zusammengestellt, darunter auch ein Interview über die Geschichte und Bedeutung der Konsumräume in Bern.

POLITIK

Bundesrat möchte die Rechtssicherheit des Drug Checking stärken

Der Bundesrat ist der Ansicht, dass das Drug Checking eine wesentliche Massnahme zur Schadensminderung und Frühintervention darstellt. In Zukunft möchte er die Rechtssicherheit dieser Praxis stärken und die Qualität der Angebote gewährleisten. Dies geht aus einem Bericht hervor, den er an seiner Sitzung vom 24. Juni 2026 verabschiedet hat.

Kanton Wallis darf Einweg-E-Zigaretten verbieten

Das Bundesgericht hat das Walliser Verkaufsverbot für Einweg-E-Zigaretten bestätigt und Beschwerden von Tabakindustrie und Handel abgewiesen. Es kommt zum Schluss, dass die Kantone solche Verbote zum Schutz von Umwelt und Gesundheit erlassen dürfen, solange der Bund keine entsprechende Regelung getroffen hat. Das Verbot von Einweg-E-Zigaretten gilt im Wallis seit Mai 2025.

Deutschland: Deutsche Bahn plant Alkoholverbot an allen Bahnhöfen

Die Deutsche Bahn will den Alkoholkonsum künftig an sämtlichen rund 5400 Bahnhöfen in Deutschland verbieten. Ziel der Massnahme ist es, die Sicherheit von Reisenden und Mitarbeitenden zu erhöhen. Erfahrungen aus Städten wie Hamburg zeigen laut Bahn, dass Alkoholverbote mit weniger Konflikten, Gewaltvorfällen und Verschmutzung einhergehen. Wer gegen das Verbot verstösst, muss mit Platzverweisen oder Hausverboten rechnen. Die Einführung soll schrittweise bis Mitte Oktober 2026 erfolgen.

Frankreich verbietet Social Media für unter 15-Jährige

Als erstes europäisches Land hat Frankreich ein Gesetz verabschiedet, das den Zugang zu sozialen Netzwerken für Jugendliche unter 15 Jahren einschränken soll. Plattformen werden verpflichtet, das Alter ihrer Nutzer:innen zu überprüfen. Für neue Konten soll die Regelung ab September 2026 gelten. Ziel ist der Schutz der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die gleiche Reform enthält ein Verbot von Mobiltelefonen an Gymnasien.

FORSCHUNG & STATISTIK

Studie: Psilocybin soll zum Rauchstopp verhelfen

Eine US-amerikanische Pilotstudie zeigt, dass Psilocybin in Kombination mit einer Verhaltenstherapie den Rauchstopp erleichtern könnte. Nach sechs Monaten waren Teilnehmende, die Psilocybin erhalten hatten, deutlich häufiger abstinent als Personen, die mit Nikotinpflastern behandelt wurden. Die Forschenden sehen darin einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung der Tabakabhängigkeit, betonen jedoch den Bedarf weiterer Studien.

Drug-Checking: aktuelle Daten

Der europäische Drogenmarkt wird zunehmend komplex, wobei neue Substanzen, Mischungen und hochwirksame Produkte neue Risiken mit sich bringen. Dies zeigen die aktuellen Daten des Trans-European Drug Information (TEDI)-Netzwerks, das Drug-Checking Daten aus ganz Europa sammelt.

Deutschland: drogenbedingte Todesfälle weiterhin hoch

2150 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf Rekordniveau. Die Drogentoten werden immer jünger. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30 um mehr als die Hälfte gestiegen, bei den unter 20-Jährigen haben sie sich nahezu verdoppelt. Ein Netzwerk schlägt einen 5-Punkte-Plan mit Massnahmen gegen die Drogentodesfälle vor.

VERHALTENSSÜCHTE & MEDIEN

Zentrum für Spielsucht: neue Podcast-Reihe

Social Media ist in aller Munde und beschäftigt Politik und Schulen ebenso, wie Jugendliche und deren Eltern. Dabei fehlt es häufig an einer faktenorientierten Diskussion über Risiken und auch Chancen dieser Plattformen. Der neue Podcast des Zentrums für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte beleuchtet das Thema aus einer fachlichen Perspektive und gibt einen fundierten Einblick in das Thema.

Magazin zum Thema Verhaltenssüchte

Die aktuelle Ausgabe des Magazins Wege aus der Sucht des Vereins Grüner Kreis widmet sich dem Thema Verhaltenssucht.  Im Zentrum stehen Glücksspielsucht, Kaufsucht, problematische Mediennutzung und Pornografienutzungsstörungen sowie deren Folgen für Betroffene und ihr Umfeld.

SCHADENSMINDERUNG

Konsumraum Chur: positive Bilanz nach 100 Tagen

Rund drei Monate nach der Inbetriebnahme der vom Verein Überlebenshilfe (UHG) betriebenen Kontakt- und Anlaufstelle mit begleitetem Konsumraum am Seilerbahnweg 7 in Chur fällt die Zwischenbilanz aus Sicht der Stadt positiv aus. Das Angebot beginnt sich in der Zielgruppe zu etablieren und die Nutzung nimmt kontinuierlich zu. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich die angestrebte Lenkungswirkung hin zum Standort zunehmend entfaltet, auch wenn im öffentlichen Raum weiterhin Herausforderungen bestehen.

PRAXIS DER SUCHTARBEIT

Neuer Kartensatz unterstützt zieloffene Suchtarbeit

Das Institut für innovative Suchtbehandlung und Suchtforschung (ISS Nürnberg) hat die 4. Auflage des Kartensatzes «Konsum- und Zielklärung» veröffentlicht. Das Instrument unterstützt Fachpersonen dabei, Konsumverhalten systematisch zu erfassen und gemeinsam mit Klient:innen individuelle Veränderungsziele zu klären. Der Kartensatz eignet sich für verschiedene Arbeitsfelder der Suchthilfe und Sozialarbeit.

KI in der Suchthilfe

Ein aktueller Fachbeitrag auf Konturen beleuchtet die Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz in der Suchthilfe. Der Beitrag zeigt auf, dass KI bereits Teil der Versorgungsrealität ist und die Suchthilfe deshalb ihre Anwendung aktiv mitgestalten sollte. Thematisiert werden unter anderem ethische Leitlinien, Datenschutz, Qualifizierung von Fachpersonen sowie mögliche Einsatzfelder in Beratung und Administration.

ANGEBOTE & PROJEKTE

Basel: neue Plätze für Personen mit einer Kokainabhängigkeit

Die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) wollen ihr Behandlungsangebot für Menschen mit Kokain- oder Alkoholabhängigkeit ausbauen. Geplant ist eine spezialisierte ambulante Therapie für Erwachsene ab 25 Jahren. Damit soll eine Versorgungslücke geschlossen werden, die angesichts des steigenden Kokainkonsums in Basel zunehmend sichtbar wird. Die UPK zeigt sich zuversichtlich, das Angebot trotz finanzieller Herausforderungen in absehbarer Zeit umzusetzen.

Sicheres Wohnzimmer: Frauenoase bietet Frauen eine Auszeit

Die Frauenoase in Basel unterstützt täglich rund 20 Frauen in prekären Lebenslagen, darunter obdachlose, suchtkranke und sexarbeitende Frauen. Die niederschwellige Anlaufstelle bietet einen geschützten Ort zum Ausruhen, Duschen, Essen oder für Beratung. Fachpersonen betonen, dass solche Auszeiten psychische Belastungen reduzieren und den Zugang zu weiterer Unterstützung erleichtern können.

BERICHTE UND PUBLIKATIONEN

SHiPP veröffentlicht Schlussbericht

Das Programm Swiss HepFree in Prisons Programme (SHiPP) hat seinen Schlussbericht veröffentlicht. Auf der Projektwebsite stehen neben einer Zusammenfassung weitere Dokumente zu den Erfahrungen und Ergebnissen des Programms zur Verfügung. SHiPP verfolgte das Ziel, Hepatitis C in Schweizer Justizvollzugseinrichtungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Jahresbericht 2025 der EKSN

Die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nicht übertragbarer Krankheiten (EKSN) kann auf ein reges und erfolgreiches Jahr 2025 zurückschauen. Im Fokus standen v.a. die Themen Alkohol, Tabak, Kokain/Crack (inkl. Cannabis), Mischkonsum und Geldspiel.

Warum ist ein Rauchstopp so schwierig?

Jede Zigarette gibt einen kurzen Kick und verstärkt die Gewohnheit, erneut zur Zigarette zu greifen. Durch die vielen Wiederholungen wird die Wirkung des Nikotins im Gehirn tief verankert. Daher zählt Nikotin zu den Substanzen mit sehr hohem Abhängigkeitspotenzial. Der Beitrag der ARUD (Zentrum für Suchtmedizin) erklärt, weshalb Willenskraft allein oft nicht ausreicht und welche Strategien beim Rauchstopp helfen können.

VERANSTALTUNGEN
Die laufend aktualisierte Agenda mit Veranstaltungen aus dem Suchtbereich finden Sie direkt auf den Seiten von Infodrog.

STELLENANGEBOTE
Beachten Sie auch unsere Stellenangebote, eine Kooperation mit dem Verein sozialinfo.ch

REDAKTION

Deutschschweiz

Dr. Walter Rohrbach