Newsletter | Februar 2026

NEWS
Februar 2026

Evaluation des Westschweizer Pilotprojekts KnowYourChoice – sechs Empfehlungen

Infodrog beauftragte das Büro Interface mit der Evaluation des Pilotprojekts «Know Your Choice». Das Projekt fördert bei 15- bis 20‑Jährigen, die Substanzen wie Nikotin, Alkohol, Cannabis oder psychoaktive Medikamente konsumieren, Kompetenzen zur Selbststeuerung und Risikominderung – unter anderem über eine Social‑Media‑Kampagne und eine Website.

Tagung: Substanzkonsum bei Jugendlichen 2026

Am 29. Januar fand in Bern die Tagung zu «Substanzkonsum bei Jugendlichen: News aus Forschung und Praxis» statt. Die von Infodrog im Auftrag des BAG veranstaltete Tagung bietet ein Update aus Praxis und Forschung zu aktuellen Konsumphänomenen und Substanztrends bei Jugendlichen sowie zur Versorgungssituation. Anlässlich der Tagung wurde eine Sammlung mit Arbeitshilfen und Informationen auf prevention.ch zusammengestellt.

POLITIK

Bundesrat verabschiedet Bericht zur Gesamtschau des Tabak- und Tabakersatzmarkts

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 19. Dezember 2025 den Bericht in Erfüllung der Postulate 23.3588 WAK-N «Gesamtschau des Markts für Tabak- und Tabakersatzprodukte» und 24.4229 Gugger «Eine starke Schweiz dank moderaten Tabaksteuern» gutgeheissen. Der Bericht analysiert die Produktlandschaft, die geltende Besteuerung sowie ihre wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Auswirkungen. Zudem werden Fragen im Zusammenhang mit einer allfälligen Erhöhung der Tabaksteuerbelastung geprüft.

Zürcher Parlament: Konsumraum soll nicht geschlossen werden

Die SVP hat im Zürcher Gemeinderat einmal mehr gefordert, dass beim offenen Crack-Konsum hart durchgegriffen wird. Die SVP will das «städtische Drogenstübli» sofort schliessen. Der neue Konsumraum in der Nähe des Einkaufszentrums Sihlcity richtet sich an auswärtige Menschen mit einer Suchterkrankung. Das Parlament lehnte das Postulat mit 98 zu 22 Stimmen ab. Die Stadt sei auf dem richtigen Weg, so die Mehrheit.

ALKOHOL

Angetrunken Skifahren: Diese Konsequenzen drohen

Beschwipst Ski oder Snowboard fahren ist für 38 Prozent der Schweizer ganz normal, für andere ein absolutes No-Go. Doch was sind die drohenden Konsequenzen? Und was passiert, wenn man für einen Unfall verantwortlich ist?

Tabu Alkoholabhängigkeit bei Müttern

Mütter, die abhängig sind - das ist immer noch ein grosses Tabuthema. Aus Angst vor Stigmatisierung lassen sich viele nicht behandeln. Eine Klinik in Bayern will ihnen einen Safe Space bieten. Laut einer Analyse der Barmer Krankenkasse waren 2023 in Deutschland mehr als 400 000 Frauen allein wegen Alkoholsucht in Therapie. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich grösser sein, denn viele lassen sich nicht behandeln aus Angst, ihr Kind zu verlieren.

Alkoholpreise in Deutschland im Keller – der Konsum auch

Der Alkoholkonsum geht in Deutschland zurück – trotz fallender Preise. Die Preise für Wein, Spirituosen oder Bier liegen in Deutschland 14 Prozent unter dem Durchschnittswert der Europäischen Union, wie das Statistische Bundesamt anlässlich des «Dry January» bekannt gibt. Die gesellschaftlichen Kosten bleiben indes hoch. Durch Krankheiten und damit einhergehende Produktivitätsverluste entstehen Kosten in Höhe von 57 Milliarden Euro pro Jahr.

Alkohol im Alltag – Gibt es ein gesundes Mass?

Der Wein zum Essen, das Bier zum Feierabend: Alkohol gehört oft einfach dazu. Zugleich ist er aber auch eine psychoaktive Droge, die Existenzen vernichtet. «Puls» fragt: Wo verläuft die Grenze zwischen Genuss mit Mass und Bechern im Übermass? Und gibt es überhaupt einen gesunden Umgang mit Alkohol?

TABAK | NIKOTIN

Zahnstocher liegen im Trend – warum das problematisch ist

Kaugummis, Vapes und Snus sind von gestern. Heute kaut die Jugend am Zahnstocher. Auf Tiktok ist der Cowboy-Move das neuste Ding. Influencer:innen und Promis zeigen sich mit Hölzern statt Zigarette oder Vapes im Mundwinkel. So etwa die Rapperin Doja Cat, die ihren Zahnstocher sogar zu den Grammy Awards trug. Immer mehr Jugendliche kauen auf Zahnstochern herum. Doch neue Varianten mit Nikotin alarmieren Suchtexpert:innen. Eine deutsche Schule hat die Stäbchen bereits aus dem Klassenzimmer verbannt.

Deutschland: Illegale Vapes aus China

Berlin: am frühen Morgen des 26. November 2024 werden 35 Wohnungen und Büros sowie zahlreiche Autos durchsucht. Acht Männer zwischen 24 und 41 Jahren werden festgenommen. Sie sollen vor allem Jugendlichen über soziale Medien illegale Einweg-E-Zigaretten verkauft haben. Die Ermittler finden ein Lager mit 400 000 E-Zigaretten sowie 600 Kilogramm unversteuertem Wasserpfeifentabak im Millionenwert. Dies nur einer von vielen Funden. Die Billigprodukte gefährden Jugendliche und kosten den Staat sehr viel Geld.

WEITERE SUBSTANZEN & SUBSTANZÜBERGREIFENDE INFOS

Schweizer Suchtpanorama 2026

Das jährlich erscheinende Schweizer Suchtpanorama fokussiert auf epidemiologische Daten, neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie auf politische Entwicklungen: Während der Alkoholkonsum insgesamt rückläufig ist, explodiert das Glücksspiel. Die Umsätze in Casinos sind rückläufig, doch Online-Casinos boomen – und die Anzahl gesperrter Spielenden nimmt zu. Vapes und Snus verdrängen zunehmend die herkömmliche Zigarette. Sorge bereitet Sucht Schweiz auch die Crack-Krise, die sich zuspitzt.

Cannabis: Wie viel ist zu viel? Das lässt sich jetzt messen

Ab wann wird Kiffen riskant? Eine britische Studie misst Cannabis in THC‑Units, ähnlich wie Alkohol, und zeigt, ab welcher Wochen‑Dosis das Risiko steigt. Das System hat klare Grenzwerte – aber auch Schwächen: Anders als bei Alkohol enthält Cannabis jedoch viele aktive Bestandteile, deren Zusammenspiel Wirkung und Risiko beeinflusst. THC ist zwar der wichtigste Risikofaktor, aber andere Cannabinoide und die Konsumform – ob Joint, Vaporizer oder Edibles – verändern Dosis und Wirkung erheblich.​

FORSCHUNG & STATISTIK

Pilotversuche Cannabis: zweite Analyse zeigt positive Ergebnisse

Die Analyse der bis Juli 2025 vorliegenden Daten der Pilotversuche mit Cannabis in Schweizer Städten zeigen, dass die Teilnehmenden der Pilotversuche mit der Produktqualität, der Beratung und den bereitgestellten Informationen zufrieden sind. Bisher verliefen die Pilotversuche zudem ohne nennenswerte Zwischenfälle, negative Auswirkungen auf die Gesundheit oder die öffentliche Ordnung. In einzelnen Versuchen werden Verbesserungen des psychischen Wohlbefindens berichtet. Für die Mehrheit der Teilnehmenden sind legale Verkaufsstellen inzwischen die Hauptbezugsquelle. Bereits nach ein bis zwei Jahren scheint sich ein grosser Teil der Teilnehmenden deutlich vom illegalen Markt abzuwenden.

Eine Studie untersucht die Cannabisprodukte auf dem Schwarzmarkt im Kanton Waadt

Eine neue Studie untersucht die Cannabisprodukte, die auf dem Schwarzmarkt im Kanton Waadt im Umlauf sind, und vergleicht sie mit denjenigen, die im Rahmen des von der Stadt Lausanne durchgeführten Pilotprojekts Cann-L angeboten werden. Die Studie zeigt die sehr starken Variationen und Unsicherheiten auf dem Schwarzmarkt, wo Harze mittlerweile im Durchschnitt viel stärker dosiert und billiger sind als Blüten.

Untersuchung: Antworten von ChatGPT zu Substanzgebrauchsstörungen

KI-Plattformen können besonders für Hochrisikokrankheiten wie Substanzgebrauchsstörungen (SUD) attraktiv sein, bei denen Anonymität und vorurteilsfreie Antworten geschätzt werden. Eine aktuelle Studie bewertete die Genauigkeit und klinische Konsistenz der Antworten von ChatGPT auf Fragen im Zusammenhang mit SUD im Vergleich zu nationalen Gesundheitsrichtlinien. Es zeigt sich, dass ChatGPT angemessene bis ausgezeichnete Antworten auf 14 Fragen zum Thema SUDs lieferte.  Allerdings müssen Fachleute und Forschende hinsichtlich der Genauigkeit der von KI generierten Informationen wachsam bleiben.

Policy Brief zu Poppers

Poppers (Alkylnitrite) sind flüchtige Substanzen, die insbesondere im Kontext sexueller Aktivitäten konsumiert werden, und vor allem unter Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), eine hohe Verbreitung aufweisen. Der Policy Brief basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse internationaler Studien, nationaler und internationaler Fachberichte sowie rechtlicher Grundlagen. Die vorliegenden Daten zeigen eine hohe Prävalenz des Poppers-Konsums unter MSM in der Schweiz mit einer lebenszeitlichen Nutzung von 62,7% in der EMIS-Stichprobe

Studie: Alkoholkonsum und Angstzustände

Eine wachsende Zahl von Studien befasst sich mit der Frage, ob Alkoholkonsum zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Angstsymptomen beitragen kann. Die bisherigen Untersuchungen zeigten unterschiedliche Ergebnisse. Auch eine aktuelle Studie gibt differenzierte Resultate: Während die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf Angstzustände sehr gering zu sein scheinen, scheinen sich im Laufe des Lebens unterschiedliche Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit des Alkoholkonsums und der konsumierten Menge einerseits und langfristigen Angstzuständen andererseits abzuzeichnen.

JUGENDLICHE

Pingtok auf TikTok: Wie ein Drogentrend Jugendliche erreicht

Unter dem Hashtag #Pingtok zeigen Jugendliche auf TikTok ihren Drogenrausch. «Pinging» nennen sie es: auf Ecstasy oder MDMA sein, in der Szene auch «Emma» genannt. Wer kurz stehen bleibt, bekommt mehr davon. So beginnt es auch bei Anna (Name geändert). Sie ist Anfang 20. Was auf dem Bildschirm beginnt, schiebt sich in ihren Alltag.

Deutschland: Zukunftsängste belasten Kinder und Jugendliche

Viele Kinder und Jugendliche leben inzwischen in einem anhaltenden Krisenmodus. Zwar hat sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nach der Pandemie stabilisiert, das Vor-Corona-Niveau ist aber noch immer nicht erreicht, so die Ergebnisse der COPSY-Studie.

KI

Wenn KI-Agenten das Shoppen übernehmen

Google hat mit «Gemini Enterprise for Customer Experience» (CX) ein neues KI-Tool vorgestellt. Es soll nicht nur Produkte empfehlen, sondern Kaufentscheidungen vorbereiten oder sogar ausführen - ohne externe Shops. KI-Agenten übernehmen damit eine aktive Rolle beim Einkaufen. Nutzende geben ihre Wünsche in natürlicher Sprache an: Budget, Marken, Lieferzeit oder Nachhaltigkeit - der Umweg über Vergleichsportale entfällt. Für Verbraucher:innen liegt der Vorteil auf der Hand: weniger Aufwand, schnellere Entscheidung, ein reibungsloser Kaufprozess. Besonders bei standardisierten Produkten steigt der Komfort deutlich.
Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von der Plattform, die diesen Prozess steuert.

DIVERS

Neue Website von Sucht Schweiz: sucht-und-arbeitswelt.ch

Führungskräfte, Personalverantwortliche und Akteure im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement finden dort insbesondere:
- Inhalte zum Verstehen, Vorbeugen und Reagieren auf dieses Thema
- Praktische Ressourcen (z. B. Videos, Leitfäden, nützliche Adressen)
- eine Übersicht über Angebote für Betriebe
Diese neue Website ist eine tiefgreifende Aktualisierung von alkoholamarbeitsplatz.ch, deren Nachfolgerin sie ist.

Spanien stellt im Ozean zehn Tonnen Kokain sicher

Spanische Spezialeinheiten haben im Atlantik auf einem aus Brasilien kommenden Frachter knapp zehn Tonnen Kokain sichergestellt. Das sei die grösste Kokainbeschlagnahme auf hoher See in der Geschichte der spanischen Nationalpolizei, teilte die Behörde mit. Das Schiff wurde demnach 290 Seemeilen (knapp 540 Kilometer) westlich der Kanaren abgefangen und geentert. Alle 13 Besatzungsmitglieder seien festgenommen worden, hiess es.

VERANSTALTUNGEN
Die laufend aktualisierte Agenda mit Veranstaltungen aus dem Suchtbereich finden Sie direkt auf den Seiten von Infodrog.

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REDAKTION

Deutschschweiz

Dr. Walter Rohrbach