Newsletter | November 2026

NEWS
November 2026

Online-Beratung und Blended Counseling in der lokalen Suchthilfe: Studienresultate liegen vor

Digitale Beratungsangebote sind in Deutschschweizer Suchtfachstellen weit verbreitet, ersetzen die persönliche Beratung aber nicht. Eine Studie des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zeigt: In 42 % der untersuchten Beratungsfälle kamen digitale Formate zum Einsatz, meist in Kombination mit Präsenzberatung. Bei Zielerreichung und Behandlungsabschluss zeigten sich keine Unterschiede zwischen analogen, digitalen und kombinierten Beratungsverläufen.

 

Das Monitoring der stationären Suchthilfeeinrichtungen ist jetzt verfügbar (Daten 2025)

Infodrog hat soeben den Bericht «Monitoring der stationären Suchthilfeeinrichtungen (Daten 2025)» veröffentlicht. Der Bericht zeigt die Entwicklung der Anzahl verfügbarer Plätze, der tatsächlichen Belegung und der durchschnittlichen Auslastung in stationären Therapieeinrichtungen und betreuten Wohnangeboten auf. 2025 blieb die durchschnittliche Auslastung der stationären Therapieplätze gegenüber dem Vorjahr stabil bei 87 %. Die betreuten Wohnangebote weisen mit 93 % weiterhin eine hohe Auslastung auf.

 
POLITIK & REGULIERUNG

Bundesrat will Jugendschutz auf Social Media stärken

Der Bundesrat will Kinder und Jugendliche auf grossen Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen besser schützen. Geplant sind neue Vorgaben für sehr grosse Plattformen: Diese sollen Risiken für Minderjährige analysieren und Massnahmen zu deren Reduktion ergreifen. Zudem soll personalisierte Werbung auf Basis von Profiling für Minderjährige verboten werden. Das Gesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen soll bis Juni 2027 ausgearbeitet werden.

Bund soll auf Crack-Problematik reagieren

Nationalrätin Laura Gantenbein thematisiert mit einer Interpellation die Crack-Problematik auf nationaler Ebene. Sie fragt den Bundesrat unter anderem, wie die Nationale Strategie Sucht und der aktuelle Massnahmenplan auf die Herausforderungen durch Crack reagieren und ob zusätzliche Massnahmen notwendig sind.

Positionspapier Drug Checking: GREA fordert flexiblen nationalen Rahmen

Die GREA hat gemeinsam mit Westschweizer Organisationen ein Positionspapier zum Drug Checking veröffentlicht. Darin wird gefordert, den lokalen Fachstellen genügend Spielraum für bedarfsgerechte Angebote zu lassen, mobile Analysegeräte stärker anzuerkennen und das nationale Monitoring weiterzuentwickeln. Zudem sollen die im Drug Checking erhobenen Daten verstärkt zur Früherkennung und für Warnsysteme genutzt werden.

Manifest für «Kinder ohne Nikotin 2040» lanciert

Schweizer Gesundheits-, Sucht- und Präventionsorganisationen haben sich zusammengeschlossen und das Manifest «Kinder ohne Nikotin 2040» lanciert. Ziel ist es, den Nikotinkonsum bei Kindern bis ins Jahr 2040 auf unter 5 % zu senken. Im gemeinsam formulierten Manifest werden drei Prioritäten bis 2040 festgehalten: die Attraktivität von Nikotinprodukten verringern, besser vor Passivrauch schützen und den Zugang zu Nikotinstopp-Angeboten erleichtern.

KINDER, JUGEND & MEDIEN

Gericht sieht Rechtsverstösse beim Messengerdienst Snapchat

Das Landgericht Köln kommt zum Schluss, dass Snapchat mit seinem KI-Chatbot «My AI» gegen Jugend- und Datenschutz verstösst. Kritisiert werden insbesondere die Verarbeitung persönlicher Daten ohne ausreichende Einwilligung sowie mögliche Werbung für Alkohol und Glücksspiel gegenüber Minderjährigen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

VERHALTENSSÜCHTE

Undercover-Recherche: Das Geschäft mit illegalen Sportwetten

In der Schweiz gibt es nach Schätzungen von Fachpersonen weit über 100 Lokale, in denen illegal Sportwetten platziert werden können. Die Lokale arbeiten mit internationalen Webseitenbetreibern zusammen und teilen sich mit ihnen die Gewinne. Hinter den Strukturen stecken kriminelle Netzwerke. Im Fokus als Kunden stehen vor allem junge Männer. Die Recherche von SRF Investigativ dokumentiert mit einem Undercover-Einsatz, wie in einer Bar illegal gewettet wird. Auch ein Beitrag in der SRF-Sendung Rundschau adressiert das Thema.

Trading-Sucht nimmt zu

Das Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte stellt in den letzten fünf, sechs Jahren eine deutliche Zunahme von Menschen fest, die ein Geldspielproblem mit Trading haben. Laut Domenic Schnoz, Leiter des Zentrums, ähneln die Mechanismen der Tradingsucht jenen der Geldspielsucht. Besonders risikoreich sei das spekulative Daytrading, bei dem auf kurzfristige Kursschwankungen gesetzt wird.

Muskelboom mit Risiken

Der Wunsch nach einem muskulösen Körper setzt insbesondere junge Männer zunehmend unter Druck. Die SRF-Sendung «Im Rausch der Muskeln – Ab wann wird es gefährlich?» zeigt, wie Jugendliche für den Traumkörper enorme Opfer in Kauf nehmen und teilweise zu Anabolika greifen. Dabei drohen gesundheitliche Risiken, während der Druck, einem idealisierten Körperbild zu entsprechen, weiter wächst.

KONSUMTRENDS & DROGENMÄRKTE

PMMA in Ecstasy-Pillen nachgewiesen

In mehreren europäischen Ländern, darunter auch die Schweiz, wurden in den letzten Monaten als MDMA (Ecstasy) verkaufte Pillen analysiert, die stattdessen oder zusätzlich die Substanz PMMA enthielten. Drug-Checking-Stellen in Österreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien und der Schweiz haben entsprechende Funde gemeldet. PMMA gilt als deutlich risikoreicher als MDMA. Die Wirkung setzt verzögert ein, wodurch Konsumierende häufiger nachdosieren. Gleichzeitig kann die Substanz zu einer gefährlichen Überhitzung und einem Serotoninsyndrom führen. Weder Farbe, Form noch Logo einer Pille geben zuverlässig Auskunft über deren Inhalt.

WDR-Doku über Crack und Kokain in Dortmund

Die WDR-Dokumentation «Unsere Städte und die Drogen – Wer stoppt das Elend?» widmet sich dem zunehmenden Drogenkonsum in Nordrhein-Westfalen mit Fokus auf Dortmund und insbesondere auf Kokain und Crack. Die Autorinnen Justine Rosenkranz und Jana Niehoff sprechen mit Anwohner:innen, begleiten den Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti und kommen mit Menschen mit Suchterkrankungen ins Gespräch. Die Dokumentation ist in der ARD-Mediathek verfügbar.

Drogenforscher fordert einen differenzierteren Blick auf Konsum

Der US-amerikanische Neurowissenschaftler Carl Hart erforscht seit vielen Jahren die Wirkung psychoaktiver Substanzen und sorgt mit seinen Positionen regelmässig für Kontroversen. In einem aktuellen Gespräch mit SRF erklärt der Professor der Columbia University, weshalb er selbst gelegentlich Substanzen wie Kokain oder Heroin konsumiert und dennoch einen verantwortungsvollen Umgang damit für möglich hält.

FORSCHUNG & STATISTIK

E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung: aktualisierter Cochrane-Review liefert neue Evidenz

Ein aktualisierter Cochrane-Review bestätigt, dass nikotinhaltige E-Zigaretten die Chancen auf einen erfolgreichen Rauchstopp erhöhen können. Sie erwiesen sich in den ausgewerteten Studien als wirksamer als klassische Nikotinersatzprodukte wie Pflaster oder Kaugummis. Die Autor:innen betonen jedoch, dass sich die Ergebnisse auf regulierte nikotinhaltige E-Zigaretten beziehen und weitere Erkenntnisse zu langfristigen Auswirkungen nötig sind.

Indikator zum Tabak- und Nikotinkonsum auf MonAM

Im Jahr 2025 konsumierten 22,3 % der Bevölkerung in der Schweiz mindestens einmal im Monat Tabak- oder Nikotinprodukte, 15,7 % taten dies täglich. Die am häufigsten konsumierten Produkte sind in absteigender Reihenfolge: Zigaretten (15,2 % mindestens einmal im Monat), E-Zigaretten, Vapes und Puffs (4,1 %) sowie Tabakprodukte zum Erhitzen (3,3 %). Insgesamt rauchen Männer häufiger als Frauen. Das Schweizer Monitoring-System MonAM hat ausserdem zahlreiche weitere Indikatoren zu Sucht und nichtübertragbaren Krankheiten aktualisiert.

Studienreport zu problematischer Smartphone-Nutzung

Ein neuer Studienreport aus Deutschland liefert Hinweise auf eine verbreitete problematische Smartphone-Nutzung bei Erwachsenen. Von 1 285 befragten 18- bis 65-Jährigen erreichten 31 % den Schwellenwert einer angepassten Skala für problematische beziehungsweise suchtartige Nutzung. Bei den 18- bis 29-Jährigen waren es 55 %. Über eine Android-App erfasste Nutzungsdaten zeigen zudem eine mediane Bildschirmzeit von 4 Stunden und 25 Minuten pro Tag. Aufgrund einer möglichen Auswahlverzerrung sind die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren.

Drogenkonsumräume senken Hospitalisierungen

Ein neues Arbeitspapier untersucht die Wirkung von Drogenkonsumräumen in der Schweiz. Die Auswertung von Spitaldaten aus den Jahren 1998 bis 2022 zeigt: Nach der Eröffnung einer Einrichtung gingen drogenbedingte Hospitalisierungen im Umkreis von fünf Kilometern um rund 35 Prozent zurück. Auch tödliche Verläufe nahmen ab, während nicht tödliche Vergiftungen häufiger wurden. Dies könnte darauf hindeuten, dass medizinisch begleiteter Konsum Todesfälle verhindert.

PRAXISWISSEN & ARBEITSHILFEN

Podcast: Ist Vapen schädlicher als Rauchen? Und wie hört man damit auf?

Vapes und Nikotinbeutel gelten oft als weniger schädliche Alternativen zu Zigaretten. Doch wie gross sind die gesundheitlichen Risiken tatsächlich? Und welche Rolle können E-Zigaretten beim Rauchstopp spielen? Diesen Fragen widmet sich die aktuelle Folge des Podcasts «Frag die Medizin» der Medizinischen Universität Innsbruck. Die Episode beleuchtet den aktuellen Forschungsstand zu Vapes, Nikotinbeuteln und Tabakkonsum und gibt Einblicke, wie der Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit gelingen kann.

Sucht bei älteren Menschen: ein Leitfaden für Fachpersonen

Die Direktion für Gesundheit und Soziales des Kantons Freiburg hat einen neuen Leitfaden zum Thema Sucht im Alter veröffentlicht. Die Publikation richtet sich an Fachpersonen, die mit älteren Menschen arbeiten, und soll dabei unterstützen, problematischen Konsum frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

SUCHTHILFE & VERSORGUNG

Rausch und Realität: Suchthilfe zwischen neuen Risiken und gemeinsamer Verantwortung

Am Wahrendorff-Symposium «Rausch und Realität» diskutierten Fachpersonen aus Suchthilfe, Psychiatrie und Eingliederungshilfe über Versorgungslücken, Schadensminderung und die Zusammenarbeit verschiedener Hilfesysteme. Begleitend warnt Dr. Jan Michaelsen vor neuen synthetischen Opioiden, gefälschten Medikamenten und einem wachsenden Konsum von Opioiden und Beruhigungsmitteln bei jungen Menschen.

Dokumentarfilm über den Alltag in der Suchttherapie

Der Dokumentarfilm «Tun und Lassen» von Friedrich Rackwitz begleitet Menschen in einer Berliner Entwöhnungseinrichtung auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Der Kino-Film zeigt den Therapiealltag und stellt Fragen nach Abhängigkeit, Eigenverantwortung und Empathie.

VERANSTALTUNGEN
Die laufend aktualisierte Agenda mit Veranstaltungen aus dem Suchtbereich finden Sie direkt auf den Seiten von Infodrog.

STELLENANGEBOTE
Beachten Sie auch unsere Stellenangebote, eine Kooperation mit dem Verein sozialinfo.ch

REDAKTION

Deutschschweiz

Dr. Walter Rohrbach