Newsletter | Oktober 2026

NEWS
Oktober 2026

20 Jahre Infodrog: Bericht zum Jubiläum

Infodrog feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Seit ihrer Entstehung im Jahr 2006 aus dem Zusammenschluss zweier Stellen zur nationalen Koordinations- und Fachstelle Sucht des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hat sie die Suchthilfe in der Schweiz mitgeprägt. Sie bündelt Fachwissen, vernetzt Akteur:innen und unterstützt die Weiterentwicklung wirksamer Angebote. Der neue Tätigkeitsbericht blickt auf die Geschichte zurück und gibt Einblick in die Leistungen, die Menschen hinter Infodrog und die Vielfalt der heutigen Aktivitäten. Im Fokus steht, wie Infodrog dazu beiträgt, Menschen mit Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erreichen und den Zugang zu Hilfe zu verbessern.

 

Neue Ausgabe des SuchtMagazin 3/2026: Suchttherapie im Wandel

Wie verändert sich Suchttherapie, wenn sie näher am Alltag und an den Zielen der Betroffenen ansetzt? Welche Rolle spielen Recovery, Beteiligung und zieloffene Behandlung? Und wie lassen sich neue Ansätze wie KI, Psychedelika-assistierte Therapien oder flexible Settings verantwortungsvoll nutzen? Die Ausgabe 3/2026 des SuchtMagazin beleuchtet Suchttherapie im Wandel – als lebensnahe, fachlich reflektierte und partizipative Begleitung von Veränderungsprozessen.

 

Verhaltenssüchte: Zugang zur Suchthilfe weiter stärken. Situations- und Bedarfsanalyse publiziert

Verhaltenssüchte haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Entsprechend wurden auch die Beratungs- und Therapieangebote ausgebaut. Gleichzeitig bleibt die Versorgung regional unterschiedlich, und viele Betroffene nehmen bestehende Hilfsangebote nicht oder erst spät in Anspruch. Zentrale Herausforderungen bestehen bei der Zugänglichkeit und Sichtbarkeit der Angebote, der Früherkennung und Frühintervention sowie bei der Weiterentwicklung schadensmindernder Ansätze. Die Situations- und Bedarfsanalyse von Infodrog benennt die wichtigsten Handlungsbedarfe und zeigt Lösungsansätze auf.

 
POLITIK

Neue Suchtstrategie für den Kanton Schaffhausen

Der Kanton Schaffhausen verfügt seit diesem Sommer über eine neue Kantonale Strategie Sucht 2027–2032. Sie soll die Suchthilfe über die Bereiche Prävention, Therapie, Schadensminderung sowie Regulierung und Vollzug hinweg koordinieren. Ziel ist eine kohärente und wirkungsorientierte Suchtpolitik mit klaren Zuständigkeiten und einer bedarfsgerechten Unterstützung für Betroffene.

Breites Bündnis fordert: Kein Verkauf von Nikotinbeuteln in Deutschland

Ein breites Bündnis aus Verbänden, Organisationen und Fachgesellschaften appelliert an die Bundesregierung, das bestehende Verbot des Inverkehrbringens von Nikotinbeuteln in Deutschland beizubehalten und konsequent durchzusetzen. Eine Aufhebung des Verbots wäre aus Sicht des Jugend- und Gesundheitsschutzes das falsche Signal. Mit großer Sorge werden konkrete Bestrebungen beobachtet, die Zulassung des Verkaufs von Nikotinbeuteln in Deutschland voranzutreiben. Initiiert wurde der Appell von der Bundesärztekammer (BÄK), die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat das Papier mitgezeichnet.

KONSUMTRENDS & DROGENMÄRKTE

Crack-Konsum verändert Angebote in Luzern

Der zunehmende Konsum von Crack stellt Einrichtungen der Suchthilfe vor neue Herausforderungen. Ein SRF-Bericht zeigt am Beispiel eines Luzerner Wohnheims, wie sich die Bedürfnisse der Bewohnenden verändern: Betroffene benötigen häufiger Unterstützung, weisen schlechtere gesundheitliche Verfassungen auf und geraten schneller in Krisensituationen. Fachleute betonen die Bedeutung niederschwelliger Wohn- und Betreuungsangebote, um Stabilität zu schaffen und gesundheitliche Risiken zu reduzieren.

Angespannte Cracksituation in Yverdon

Die offene Crack-Szene in Yverdon-les-Bains hat sich in den letzten zwei Jahren zwar stabilisiert. Laut Behörden hat sich die Zahl der Dealer etwa halbiert, während die Zahl der Konsumierenden weitgehend konstant blieb. Dennoch bleibt die Situation angespannt: Viele Betroffene leiden unter gesundheitlichen und sozialen Problemen, Hilfsangebote sind überlastet und Anwohner:innen berichten weiterhin von Unsicherheit. Fachpersonen fordern zusätzliche Massnahmen wie Konsumräume sowie den Ausbau von Präventions-, Unterstützungs- und Therapieangeboten.

Neues synthetisches Opioid Cychlorphin

Die Europäische Drogenagentur (EUDA) beobachtet das neuartige synthetische Opioid Cychlorphin im Rahmen ihres europäischen Frühwarnsystems für neue psychoaktive Substanzen. Die Substanz wird mit schweren Vergiftungen und Todesfällen in Verbindung gebracht. In den USA sorgte zuletzt der Todesfall eines 16-Jährigen für Aufmerksamkeit. Fachstellen warnen vor dem hohen Überdosierungsrisiko und der schwierigen Nachweisbarkeit des Stoffes.

Drogentote in Europa: Sorge um hochpotente Opioide und Kokain

Die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in Europa bleibt hoch. Die Europäische Drogenagentur (EUDA) weist insbesondere auf die zunehmenden Risiken durch hochpotente synthetische Opioide hin, die bereits in mehreren Ländern mit Todesfällen in Verbindung gebracht wurden. Gleichzeitig spielt auch Kokain bei Überdosierungen eine immer wichtigere Rolle. Die EUDA fordert deshalb einen Ausbau von Frühwarnsystemen, Präventionsangeboten und Massnahmen zur Schadensminderung.

Neue psychoaktive Substanzen: Vielfalt wird zur Herausforderung

Während die Aufmerksamkeit oft auf Fentanyl gerichtet ist, sehen Fachleute zunehmend die rasche Verbreitung neuer psychoaktiver Substanzen als zentrale Herausforderung. Ein aktuelles Informationsvideo von YOU und der Charité – Universitätsmedizin Berlin erläutert, wie sogenannte Research Chemicals, synthetische Cannabinoide oder Nitazene den Drogenmarkt verändern. Da neue Stoffe laufend auftauchen und Produkte häufig falsch deklariert sind, steigen die Risiken für Konsumierende. Die Expert:innen betonen die Bedeutung von Aufklärung, Frühwarnsystemen und Drug Checking.

Estland als Testlabor für neue Drogen

Estland verzeichnet die höchste Zahl drogenbedingter Todesfälle pro Kopf in der EU und gilt laut Fachpersonen zunehmend als «Testmarkt» für neue synthetische Opioide. Nachdem das Land den Fentanyl-Markt erfolgreich zurückdrängen konnte, dominieren heute hochpotente Substanzen wie Nitazene und Cychlorphin den illegalen Drogenmarkt. Da Konsumierende oft nicht wissen, welche Stoffe sie tatsächlich konsumieren, steigt das Risiko tödlicher Überdosierungen. Fachleute fordern deshalb einen Ausbau von Drug-Checking-Angeboten und weiteren schadensmindernden Massnahmen.

VERHALTENSSÜCHTE

Problematischer Pornografiekonsum und exzessive Sexualität

Ein neuer Fachbeitrag beleuchtet problematischen Pornografiekonsum als mögliche Ausprägung einer zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung (CSBD). Entscheidend sind dabei nicht die Häufigkeit, sondern Kontrollverlust, Leidensdruck und negative Folgen im Alltag. Der Beitrag fasst aktuelle Erkenntnisse zu Diagnostik, Häufigkeit und Behandlung zusammen.

FORSCHUNG & STATISTIK

Cannabis-Pilotversuch: Regulierte Abgabe erhöht Konsum nicht

Erste Zwischenergebnisse einer Cannabis-Studie in Bern, Biel und Luzern zeigen: Der legale und regulierte Bezug von Cannabis in Apotheken führt nicht zu einem höheren Konsum. Im Gegenteil, der Konsum ging leicht zurück. Die fachliche Beratung in den Apotheken fördert zudem risikoärmere Konsumformen, etwa Vapes statt Joints mit Tabak. Die Forschenden sehen darin ein wichtiges Argument für die laufende Diskussion um eine schweizweite Regulierung von Cannabis.

Cannabiskonsum nach Teillegalisierung in Deutschland

Zwei Jahre nach Inkrafttreten des deutschen Cannabisgesetzes (CanG) zeigt eine aktuelle Auswertung keinen Anstieg des Cannabiskonsums. Analysen wiederholter nationaler Bevölkerungsbefragungen mit rund 36'000 Personen ergaben weder eine signifikante Veränderung der 12-Monats-Prävalenz noch des täglichen oder nahezu täglichen Konsums. Die Forschenden empfehlen, die Entwicklung weiterhin langfristig zu beobachten.

Evaluation von ready4life veröffentlicht

Der aktuelle Evaluationsbericht zu ready4life dokumentiert die Nutzung des digitalen Präventionsprogramms im Schuljahr 2025/26. Insgesamt nahmen 6247 Jugendliche am Coaching teil. Stress war erneut das meistgewählte Thema. Die Evaluation zeigt eine stabile Reichweite und eine Zunahme der Teilnehmenden gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig bleibt die längerfristige Programmbeteiligung eine Herausforderung. Für 2026/27 sind erste KI-gestützte Funktionen geplant.

KI in der Suchtmedizin: Chancen ja, aber nicht ohne Vorbehalte

Künstliche Intelligenz könnte die Suchthilfe und Suchtmedizin künftig bei Diagnosen, Behandlungsentscheidungen oder administrativen Aufgaben unterstützen. Eine neue qualitative Studie zeigt jedoch, dass sowohl Fachpersonen als auch Menschen mit Konsumerfahrung Bedenken haben. Sie befürchten, dass KI bestehende Stigmatisierungen verstärken, sensible Gesundheitsdaten unzureichend schützen oder mit den raschen Veränderungen auf illegalen Drogenmärkten nicht Schritt halten könnte.

KINDER, JUGEND & MEDIEN

Ab welchem Alter sollen Kinder soziale Medien nutzen dürfen?

Ab wann ist ein Kind bereit für soziale Medien? Welche Altersgrenzen gelten für die verschiedenen Plattformen? Auf der Website von Pro Juventute erhalten Sie nützliche Tipps, die Ihnen beim Entscheid helfen, ob Ihr Kind bereit ist für einen eigenen Social-Media-Account.

EU plant strengere Regeln für soziale Medien

Mit dem EU KIDS Act schlägt die EU-Kommission strengere Schutzmassnahmen für Kinder und Jugendliche in sozialen Medien vor. Geplant sind unter anderem ein Mindestalter von 15 Jahren für eigene Social-Media-Konten sowie Einschränkungen suchtfördernder Funktionen wie endlosem Scrollen und nächtlichen Benachrichtigungen. Das Europäische Parlament und der Rat müssen dem Vorschlag noch zustimmen.

Meta unter Druck: Neue Debatte um Jugendschutz in sozialen Medien

Nach einer Einigung mit 29 US-Bundesstaaten muss Meta Milliarden zahlen und strengere Schutzmassnahmen für Jugendliche auf Instagram und Facebook umsetzen. Dazu gehören Nutzungslimiten, nächtliche Sperrzeiten und schärfere Alterskontrollen. Die Einigung gilt als Signal für den Jugendschutz und befeuert auch in Europa die Diskussion über strengere Regeln für soziale Medien. Fachleute betonen jedoch, dass Regulierung allein nicht genügt und durch Prävention sowie Medienkompetenzförderung ergänzt werden muss.

LEITFÄDEN & ARBEITSHILFEN

Alkohol und häusliche Gewalt: Neuer Leitfaden für Suchtberatungsstellen

Das Blaue Kreuz Schweiz hat einen Leitfaden zur Dualproblematik «Alkohol und häusliche Gewalt» veröffentlicht. Er richtet sich an Fachpersonen in Suchtberatungsstellen und soll Sicherheit in der Gesprächsführung sowie im Umgang mit betroffenen Personen vermitteln. Die Publikation unterstützt Beratende dabei, das oft tabuisierte Zusammenspiel von Alkoholkonsum und häuslicher Gewalt frühzeitig zu erkennen und angemessen zu handeln.

Leitfaden zur Cannabis-Dosierung

Saferparty hat eine neue Orientierungshilfe zur Cannabis-Dosierung veröffentlicht. Das Dokument erklärt, wie THC-Werte aus Drug-Checking-Analysen interpretiert und daraus ungefähre Dosierungen für Joints und Vaporizer abgeleitet werden können. Ziel ist es, Konsumierende dabei zu unterstützen, die Stärke von Cannabisprodukten besser einzuschätzen und informierte sowie risikoärmere Konsumentscheidungen zu treffen.

Plattform nicotinefree.ch unterstützt Bezugspersonen bei Nikotinfragen

Mit nicotinefree.ch steht ab sofort eine neue Informationsplattform zur Verfügung. Sie unterstützt Eltern, Lehrpersonen sowie Fachpersonen aus Schule und Jugendarbeit dabei, Jugendliche bei Fragen und im Umgang mit Tabak- und Nikotinprodukten zu begleiten. Die von Sucht Schweiz entwickelte und vom Tabakpräventionsfonds finanzierte Website ist in mehreren Sprachen verfügbar.

ORGANISATIONEN & INSTITUTIONEN

150 Jahre Blaues Kreuz: Jubiläumsjahr startet

Das Blaue Kreuz Schweiz hat am 21. September 2026 das Jubiläumsjahr zu seinem 150-jährigen Bestehen eröffnet. Die Organisation setzt sich seit ihrer Gründung für Alkoholprävention sowie für Menschen mit Alkoholabhängigkeit und deren Angehörige ein. Für das Jubiläumsjahr 2027 sind schweizweit verschiedene Aktivitäten geplant.

Hamburg: Widerstand gegen Schliessung von Suchthilfeangeboten

In Hamburg sollen zwei Suchthilfeeinrichtungen geschlossen werden. Die Sozialbehörde begründet dies mit einer Neuorganisation der Angebote. Dagegen regt sich breiter Widerstand: Der Altonaer Sozialausschuss fordert einstimmig den Erhalt der Palette, auch Wohlfahrtsverbände und mehrere Parteien kritisieren die Pläne. Sie befürchten, dass insbesondere schwer erreichbare, crackkonsumierende Menschen wichtige niedrigschwellige Unterstützungsangebote verlieren.

DIVERS

Studienteilnehmende gesucht: Alkohol auf Social Media und Nikotinkonsum

Aktuell suchen zwei Studien Teilnehmende aus der Schweiz: Die Stiftung Sucht Schweiz untersucht bei 16- bis 25-Jährigen, welchen Influencer:innen sie auf Social Media folgen und wie häufig sie dort alkoholbezogene Inhalte sehen. Zudem testet die Studie zum NicotineFreeCoach ein WhatsApp-basiertes Coaching für 16- bis 30-Jährige, die regelmässig Zigaretten, Vapes, E-Zigaretten, Snus oder Nikotinbeutel konsumieren und ihren Nikotinkonsum reduzieren oder beenden möchten.

VERANSTALTUNGEN
Die laufend aktualisierte Agenda mit Veranstaltungen aus dem Suchtbereich finden Sie direkt auf den Seiten von Infodrog.

STELLENANGEBOTE
Beachten Sie auch unsere Stellenangebote, eine Kooperation mit dem Verein sozialinfo.ch

REDAKTION

Deutschschweiz

Dr. Walter Rohrbach