Newsletter | April 2026

NEWS
April2026

SuchtMagazin 1/2026 zum Thema Suchtfach­personen im Fokus

Die aktuelle Ausgabe 1/2026 rückt Suchtfachpersonen ins Zentrum und macht sichtbar, was sie trägt – aber auch was sie belastet: Die Beiträge zeigen, wie sich Suchtfachpersonen zwischen sinnstiftender Beziehungsarbeit und zunehmender Belastung bewegen. Ergänzend greift das Heft weitere aktuelle Themen auf – darunter stigmafreie Sprache, KI in Beratungsprozessen und ethische Spannungsfelder.

Neu ab 2026: der Newsletter von stopsmoking

stopsmoking ist die nationale Plattform zur Unterstützung des Tabak- und Nikotinausstiegs. Unser Newsletter liefert Fachleuten mehrmals pro Jahr frische Impulse zum Rauch- und Nikotinstopp. Kurz, klar und fundiert: Für alle, die in Beratung, Prävention, Bildung oder Gesundheit nah am Thema bleiben wollen. Und für alle, die mehr über unser Beratungsangebot stopsmoking, Tools und weitere Hilfen zum Ausstieg erfahren möchten.

Einführung in QuaTheDA & Internes Audit: Anmeldung 2026 offen

Die Anmeldungen für die Weiterbildungen zur Einführung in das QuaTheDA‑Referenzsystem und zum internen Audit sind eröffnet. Sie werden beide im Herbst 2026 stattfinden und richten sich an Fachpersonen, die im Suchtbereich, der Prävention und der Gesundheitsförderung tätig sind. Sowohl durch theoretische als auch durch praktische Lehrinhalte soll das Verständnis für das Qualitätsmanagementsystem in den jeweiligen Institutionen vertieft und dessen Anwendung gestärkt werden.

POLITIK

EKSN: Internationale Fachleute bestätigen den Entwurf CanPG

Die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) hat eine externe Überprüfung des Entwurfs zum Cannabisproduktgesetz (CanPG) durchführen lassen. Die Analyse stützt sich auf die Einschätzungen und Empfehlungen von neun international anerkannten Expert:innen aus den Bereichen der Suchtforschung und der öffentlichen Gesundheit aus Nordamerika und Europa. Die Rückmeldungen fallen klar positiv aus: Der Entwurf wird als durchdacht, kohärent und international wegweisend beurteilt. Besonders hervorgehoben werden die konsequente Ausrichtung auf den Schutz der öffentlichen Gesundheit sowie das staatlich regulierte, nicht gewinnorientierte Verkaufsmodell.

Schutz vor Designerdrogen: Weitere psychoaktive Stoffe verboten

Neue synthetische Substanzen können erhebliche Gesundheitsgefahren bergen – für Konsumentinnen und Konsumenten sind die Risiken nicht abschätzbar. Um diese Designerdrogen wirksam zu bekämpfen, ergänzt das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) per 13. März 2026 die Betäubungsmittelverzeichnisverordnung um weitere Substanzen. Damit unterstehen diese Stoffe dem Betäubungsmittelgesetz; Herstellung, Handel und Anwendung sind illegal.

2026: Europa erhöht die Tabak- und Nikotinsteuern, die Schweiz schaut zu

Im Januar 2026 hat der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erneut mit deutlichen Worten zu einer schärferen Besteuerung der Tabakprodukte aufgerufen und daran erinnert, dass dies eine der wirksamsten gesundheitspolitischen Massnahmen darstellt: Vor diesem Hintergrund ist der Jahresanfang in Europa von einer Steuerrunde auf Tabak- und zunehmend auch Nikotinprodukten geprägt. Die Schweiz spielt einmal mehr eine Sonderrolle – so die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (AT).

ALKOHOL

Debatte Alkohol-Empfehlungen

Im «Forum» diskutiert Radio SRF 1 mit Gästen und dem Publikum über aktuelle Themen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur. Empfehlungen zum Alkoholkonsum sollen Orientierung geben. Aktuell steht ihre Anpassung zur Diskussion: Braucht es angepasste Alkohol-Empfehlungen des Bundes? Co-Chefarzt der Arud Philip Bruggmann diskutierte live in der SRF-Sendung «Forum» mit Philipp Schwander, Mitinitiator von Gaudium Suisse und Master of Wine.

Bündnis aus Fachorganisationen fordert besseren Schutz der Bevölkerung vor Schäden durch Alkohol

In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol bei etwa 10,6 Litern pro Jahr. Das hat verheerende Folgen für die gesamte Gesellschaft, warnen Expert:innen aus 25 Fachorganisation unter Federführung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in einem jetzt veröffentlichten Positionspapier. Alkohol verursacht nicht nur zahlreiche Krankheiten, sondern auch enorm hohe gesellschaftliche und soziale Kosten: Rund 57 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten entstehen. Die Fachleute fordern daher, flächendeckend präventive Gesundheitsangebote neben der medizinischen und psychosozialen Versorgung zu etablieren.

TABAK | NIKOTIN

Rauchstopp in der Psychiatrie: Neues Modellprojekt im Kanton Aargau

Das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) [UZH-assoziiert] und die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) lancieren zusammen ein einzigartiges partizipatives sowie evidenzbasiertes Programm zur systematischen Tabakentwöhnung in der psychiatrischen Versorgung der Schweiz. Das dreijährige sukzessiv umgesetzte Modellprojekt schult Fachpersonal, verändert Klinikkultur und begleitet Patient:innen individuell sowie unterstützt die Mitarbeitenden beim Rauchstopp.

Baden-Württemberg: Nichtraucherschutzgesetz auf den Weg gebracht

Die Landesregierung setzt mit dem neuen Landesnichtraucherschutzgesetz ein klares Signal für mehr Gesundheitsschutz. Insbesondere Kinder, Jugendliche und weitere vulnerable Gruppen sollen besser geschützt werden. Das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz in Baden-Württemberg betrifft auch den Europa-Park. Das beliebte Ausflugsziel startet mit neuen Regeln in die Sommersaison – und bepflanzt Aschenbecher.

WEITERE SUBSTANZEN

Dokumentation Kokain – Die Schweiz im Griff des globalen Kartells

Der Kokain-Konsum hat sich in der Schweiz innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Kokain wird zudem immer reiner und billiger. Der Siegeszug des weissen Pulvers scheint nicht aufzuhalten zu sein. Eine aktuelle Dokumentation auf SRF adressiert das Thema und lässt Betroffene und Fachleute zu Wort kommen: «Sucht Schweiz» bspw. fordert eine Kurskorrektur in der Drogenpolitik. Die bisherige Strategie sei gescheitert, man müsse über eine Legalisierung nachdenken.

Opioid-Krise in den USA – Das Geschäft mit der Sucht

Der Dokumentarfilm «Opioid-Krise in den USA» zeigt auf, wie die Verflechtung von Pharmaindustrie, Beratungsfirmen und Drogenkartellen zur Opioid-Epidemie in den USA beitrug. Die Dokumentation verwertet bislang unveröffentlichte Archiv- und Insiderquellen.

ARBEITSHILFEN & WISSEN

Plattform Sucht und Arbeitswelt

Wie kann ich angemessen reagieren, wenn ich bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter, bei einer Kollegin oder einem Kollegen einen belastenden Umgang mit Suchtmitteln beobachte? Sucht Schweiz hat die Webseite www.sucht-und-arbeitswelt.ch veröffentlicht, welche in solchen Situationen weiterhilft. Die Seite informiert generell über das Thema Sucht und Arbeit, gibt aber auch Anregungen zur Prävention und zum Handeln in konkreten Situationen.

DHS: Abschlussbericht Digitale Brücken der Sucht-Selbsthilfe

Die Sucht-Selbsthilfe steht vor der Herausforderung, neue Zielgruppen zu erreichen, insbesondere jüngere Menschen. Traditionelle Ansätze sind wirkungsvoll, aber die Notwendigkeit, moderne Kommunikationsmittel zu nutzen, wird immer grösser. Das Projekt Digitale Brücken der DHS untersuchte die Rolle von Podcasts und Social Media als digitale Instrumente in der Sucht-Selbsthilfe. Die Ergebnisse zeigen auf, wie durch persönliche Erfahrungsberichte und authentische Geschichten eine breitere Zielgruppe angesprochen werden kann.

FORSCHUNG & STATISTIK

 act-info: Alkohol bleibt führend, Kokain stärksten Zuwachs 

Gemäss den neuesten Daten des Monitoringsystems «act-info» haben geschätzt über 40’000 Personen im Jahr 2024 eine Therapie in einer spezialisierten Suchthilfeinstitution begonnen. Fast die Hälfte davon (48%) wurde wegen Alkohol als Hauptproblem behandelt, gefolgt von Kokain (12%), Opioiden (wie Heroin) und Cannabis (jeweils 10%). Zwischen 2020 und 2024 hat die Anzahl Behandlungen von Kokain (sowohl Kokainpulver als auch Crack) stark zugenommen.

Neue Abwasseranalysen: Rückgang MDMA, Anstieg Ketamin und Kokain

Die diesjährigen Ergebnisse der Abwasseranalysen zeigen einen deutlichen Rückgang der MDMA-Rückstände in den teilnehmenden Städten, während die Nachweise von Ketamin und Kokain stark zugenommen haben. Tägliche Abwasserproben wurden in den Einzugsgebieten von Kläranlagen über einen Zeitraum von einer Woche zwischen März und Mai 2025 untersucht. Die Abwasseranalysen der EU‑Drogenagentur zeigen: Auch in der Schweiz liegt der Konsum illegaler Drogen auf hohem Niveau. Besonders Rückstände von Kokain zählen im europäischen Vergleich zu den höchsten. Cannabis bleibt stabil verbreitet.

Studie Ketamin: Vom Medikament zur illegalen Ware

Ketamin, das ausserhalb der EU legal zur Herstellung von Arzneimitteln produziert wird, gelangt laut einem von der EU-Drogenagentur (EUDA) veröffentlichten Bericht zunehmend auf den illegalen Drogenmarkt Europas. Die Studie „Ketamin in Europa“ liefert erstmals ein umfassendes, länderübergreifendes Lagebild darüber, wie organisierte kriminelle Netzwerke legale pharmazeutische Lieferketten in Europa ausnutzen und welche Auswirkungen dies auf die öffentliche Gesundheit und die Strafverfolgung haben kann.

Zufall im Erbgut: Warum manche Menschen von Natur aus weniger rauchen

Um neue Medikamente gegen die Nikotinsucht zu entwickeln, suchen Wissenschaftler:innen nach Menschen, die von Natur aus «resistent» gegen starken Tabakkonsum sind. In einer gross angelegten Studie wurden sie nun fündig. Ein spezielles Gen, das für die Nikotin-Andockstellen im Gehirn verantwortlich ist, weist bei manchen Menschen eine schützende Mutation auf. Diese Entdeckung liefert der Medizin nun einen völlig neuen Ansatzpunkt für Therapien zur Rauchentwöhnung.

JUGENDLICHE

Gleis 3/4: Informations- und Beratungsangebot für junge Menschen in der Stadt Bern

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass die Belastungen und psychischen Beeinträchtigungen bei Jugendlichen weiter zunehmen. Das Team des Projekts Gleis 3/4 prüft gemeinsam mit diversen Partner:innen, ob der Aufbau einer niederschwelligen Anlaufstelle ohne lange Wartezeiten im Zentrum von Bern für 12- bis 25-jährige Menschen aus der Region einem Bedarf entspricht.

Pro Juventute Jugendstudie 2026: Jeder zehnte Jugendliche wendet sich bei Sorgen an KI

Kinder und Jugendliche in der Schweiz machen sich mehr Sorgen um ihre berufliche Zukunft und globale Krisen. Unterstützung bei Sorgen holt sich jeder zehnte Jugendliche bei einer künstlichen Intelligenz. Mädchen und junge Frauen sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund sind deutlich stärker belastet.

Social Media: Warum Gehirne von Jugendlichen so anfällig sind

Aktuell gibt es verschiedene Beiträge in den Medien, die die Anfälligkeit von Kinder und Jugendlichen zu Social Media adressieren. Bspw. TikTok betäubt viele und macht abhängig – nicht zufällig, sondern systematisch. Auch schauen viele Interessierte gerade nach Australien, das seit Dezember 2025 ein Social Media Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat.

ONLINE | BILDSCHIRM

Urteil gegen Meta und YouTube: fahrlässig gehandelt

Ein Gericht in Los Angeles kam zum Schluss, dass Meta und YouTube fahrlässig handelten und Nutzende ungenügend über Suchtrisiken informierten. Es wird als wegweisendes Urteil beschrieben. Das Verfahren gilt als Präzedenzfall in der US-Rechtsgeschichte. Digital-Fachanwalt Christian Solmecke spricht von einem «echten Paukenschlag für die gesamte Social-Media-Branche». Entscheidend sei der juristische Ansatz der Klägerseite.

Wenn Gaming und Online-Pornografie problematisch werden

Ein ausführlicher Fachartikel zeigt, wann exzessives Gaming und problematische Online‑Pornografienutzung behandlungsrelevant werden. Er beschreibt Risikofaktoren, die diagnostische Einordnung (ICD‑11) und leitet ab, wie diese in der abstinenzorientierten Therapie berücksichtigt werden können. Problematische Nutzungsformen sind häufig mit psychischen Vulnerabilitäten wie Impulsivität, emotionaler Dysregulation oder belastenden Kindheitserfahrungen verknüpft und müssen deshalb differenziert diagnostisch und therapeutisch eingeordnet werden.

Anzeichen Psychose im Umgang mit KI-Chatbots

Ein führender KI-Experte warnt davor, dass einige Australier:innen im Umgang mit Chatbots Anzeichen von Psychosen oder Manie zeigen, und argumentiert, Silicon Valley gehe im Streben nach Profit nachlässig mit dieser Technologie um. Als Beispiel wird Bezug zu Adam Raine und die Klage seiner Eltern gegen OpenAI genommen – der 16-jährige Adam Raine nutzt ChatGPT zunächst als Lernhilfe, nach und nach vertraute er dem Chatbot zunehmend persönliche Probleme an. Im April 2025 nahm er sich das Leben – wenige Stunden nachdem ChatGPT ihm eine detaillierte Anleitung für eine Suizidmethode geliefert hatte.

DIVERS

Nationale Aktionswoche für Kinder von Eltern mit Suchterkrankung

In der Schweiz wachsen schätzungsweise 100’000 Kinder in einem Elternhaus auf, das von Alkohol oder anderen Substanzen schwer belastet ist. Die jährliche, von Sucht Schweiz koordinierte Nationale Aktionswoche fand vom 16. bis zum 22. März statt, zahlreiche Organisationen in 15 Kantonen führten diverse Aktionen durch. Dieses Jahr war auch die bessere Unterstützung der Eltern im Fokus.

VERANSTALTUNGEN
Die laufend aktualisierte Agenda mit Veranstaltungen aus dem Suchtbereich finden Sie direkt auf den Seiten von Infodrog.

STELLENANGEBOTE
Beachten Sie auch unsere Stellenangebote, eine Kooperation mit dem Verein sozialinfo.ch

REDAKTION

Deutschschweiz

Dr. Walter Rohrbach