Newsletter | September 2026

NEWS
September 2026

«CheckstDu?! – Snus»: Kurzauswertung Social Media-Kampagne

Sieben Influencer:innen, über eine Million Views und viele Diskussionen – die Social Media Kampagne zum Thema Snus von 14 Deutschschweizer Kantonen löste in der Community Resonanz aus! Auch die Landingpage verzeichnete zahlreiche Besuche. Alle Zahlen und ausgewählte Statements finden Sie in der Kurzauswertung der Kampagne.

Das neue Tool für Substanzwarnungen ist online

Das Onlinetool für Substanzwarnungen präsentiert sich in einem neuen Erscheinungsbild. Gleichzeitig wurden verschiedene Anpassungen vorgenommen: Die Warnungen werden neu aus einer zentralen Warnungsdatenbank bezogen, während Infodrog die Qualitätssicherung der veröffentlichten Inhalte übernimmt. Dies trägt zu einer einheitlichen und aktuellen Bereitstellung von Warnmeldungen bei.

POLITIK

Ehemaliger Zürcher Drogenbeauftragter kritisiert Drogendiskurs

In einem Gastbeitrag der WOZ kritisiert der ehemalige Zürcher Drogenbeauftragte Michael Herzig den Schweizer Umgang mit Drogen. Die öffentliche Debatte konzentriere sich seit Jahrzehnten auf einzelne Substanzen und Sicherheitsfragen, statt Drogenkonsum als gesellschaftliche Realität zu betrachten. Zudem weist Herzig auf soziale Ungleichheiten hin: Ob Konsumierende stigmatisiert oder akzeptiert würden, hänge oft stärker von ihrem sozialen Status als von der konsumierten Substanz ab.

Frankreichs Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige vorerst gestoppt

Der französische Verfassungsrat hat ein erst im Juli beschlossenes Gesetz gestoppt, das die Nutzung sozialer Netzwerke durch unter 15-Jährige einschränken sollte. Die Richter:innen sahen darin einen unverhältnismässigen Eingriff in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit von Minderjährigen. Die Regelung hätte ab September 2026 für neue Konten gelten sollen. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die Regelung überarbeiten zu lassen.

EU plant Gesetz gegen suchtfördernde Online-Designs

Mit dem geplanten Digital Fairness Act will die EU Konsument:innen besser vor manipulativen Online-Praktiken schützen. Im Fokus stehen unter anderem Dark Patterns, suchtfördernde Designelemente digitaler Produkte, problematische Personalisierung sowie Hindernisse bei der Kündigung digitaler Abonnements. Kinder und Jugendliche gelten dabei als besonders schutzbedürftig. Die Gesetzesvorlage wird für Ende 2026 erwartet.

KINDER & JUGENDLICHE

Neues Monitoring zur Kinder- und Jugendgesundheit

Mit KidsHealthCH steht erstmals ein nationales Monitoring-System zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz zur Verfügung. Der erste Bericht zeigt: Die meisten jungen Menschen schätzen ihre Gesundheit als gut ein, gleichzeitig nehmen psychische Belastungen und weitere gesundheitliche Herausforderungen zu. Das Monitoring soll eine Grundlage für Prävention, Gesundheitsförderung und gesundheitspolitische Entscheidungen schaffen. Die Plattform prevention.ch bündelt dazu Berichte, Studien und Praxisbeispiele.

Fachartikel: Radikalisierung im Jugendalter

Warum radikalisieren sich manche Jugendliche – und die meisten nicht? Ein Fachbeitrag in der aktuellen Ausgabe von proJugend zeigt, dass dabei zentrale Entwicklungsaufgaben wie Identitätsbildung, das Bedürfnis nach Anerkennung und der Umgang mit Ambivalenzen eine wichtige Rolle spielen. Extremistische Ideologien können problematische Entwicklungsverläufe verstärken und jungen Menschen scheinbar einfache Orientierung bieten. Der Beitrag plädiert dafür, Prävention stärker an diesen Entwicklungsdynamiken auszurichten, statt Radikalisierung allein als Sicherheitsproblem zu betrachten.

Gewalt gegen Kinder: Fachleute schlagen Alarm

Die Zahl der Kinderschutzfälle in Schweizer Kinderkliniken bleibt auf hohem Niveau. Besonders körperliche Misshandlungen haben zuletzt zugenommen. Dies zeigen Zahlen (14.2 Prozent mehr Fälle gegenüber dem Vorjahr), die vor ein paar Wochen veröffentlicht wurden. Fachleute wie der Basler Kinderarzt Daniel Beutler zeigen sich besorgt.

Gemeinden können von CTC-Jugendbefragung profitieren

Wie geht es Jugendlichen vor Ort wirklich? Die wissenschaftliche CTC-Jugendbefragung unterstützt Gemeinden und Städte dabei, Risiko- und Schutzfaktoren sowie Themen wie Sucht, Gewalt und psychische Gesundheit zu erfassen. Auf dieser Grundlage können Präventions- und Gesundheitsförderungsmassnahmen gezielt geplant werden. Interessierte Gemeinden können sich für die Durchführung der Befragung melden.

KÖRPER- UND LEISTUNGSSTEIGERNDE SUBSTANZEN

Peptide zwischen Hype und Gesundheitsrisiken

Eine SRF-Reportage und ein Fachbeitrag von Saferparty beleuchten den wachsenden Einsatz von Peptiden im Fitness-, Biohacking- und Anti-Aging-Bereich. Fachleute warnen vor Produkten aus dem Internet, deren Qualität und Zusammensetzung häufig unklar sind. Zudem fehlen für viele Anwendungen belastbare Daten zu Wirksamkeit und Langzeitfolgen. Aus Sicht der Schadensminderung sind Peptide keine harmlosen Nahrungsergänzungsmittel, sondern potenziell risikoreiche Eingriffe in Hormon- und Stoffwechselsysteme.

Testosteron-Hype birgt Risiken

Immer mehr Männer interessieren sich für Testosteronpräparate, um Muskelaufbau und Leistungsfähigkeit zu steigern. Fachleute warnen jedoch, dass künstlich zugeführtes Testosteron die körpereigene Hormon- und Spermienproduktion hemmen kann. Die Folge können Fruchtbarkeitsprobleme sein. Zudem gibt es Hinweise auf eine langfristige Verschlechterung der Spermienqualität bei jungen Männern.

«Anabolika im Fitnesssport sind eine verborgene Epidemie»

Immer mehr Freizeitsportler greifen zu Anabolika. In einem Interview mit watson warnt der Psychiater und Suchtmediziner Ingo Butzke vor einem steigenden Konsum von Anabolika und anderen leistungssteigernden Substanzen im Freizeitsport. Soziale Medien und idealisierte Körperbilder würden den Trend verstärken. Anabolika können schwere körperliche und psychische Folgen verursachen. Butzke fordert deshalb mehr Prävention sowie niederschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote für Betroffene.

WEITERE SUBSTANZEN UND SUBSTANZÜBERGREIFENDE INFORMATIONEN

Dokumentation: Europas neue Drogenkrise?

Synthetische Opioide wie Fentanyl und Nitazene haben in Nordamerika eine schwere Gesundheitskrise ausgelöst. Laut der SRF-Dokumentation NZZ Format tauchen diese hochpotenten Substanzen zunehmend auch in Europa auf. Sie werden über das Internet gehandelt, anderen Substanzen beigemischt und können tödliche Überdosierungen verursachen. Die Reportage beleuchtet die Herausforderungen für Prävention, Suchthilfe und Drogenpolitik und fragt, ob die Schweiz auf einen sich wandelnden, globalisierten Drogenmarkt vorbereitet ist.

Rückblick: Drug Checking an der Street Parade 2026

An der Street Parade 2026 wurden an den beiden Zürcher Drug-Checking-Standorten insgesamt 141 Substanzproben analysiert. Dabei stiessen die Fachpersonen unter anderem auf mehrere MDMA-Pillen mit dem besonders riskanten Wirkstoff PMMA sowie auf verschiedene falsch deklarierte Cathinone. Die hohe Auslastung der Testangebote unterstreicht deren Bedeutung für die Schadensminderung.

Neue Handlungsempfehlungen zum Umgang mit NPS in Haft

Neue psychoaktive Substanzen (NPS) beschäftigen viele Justizvollzugsanstalten. Ein von akzept e.V. und der Deutschen Aidshilfe veröffentlichtes Papier empfiehlt, neben Kontrollen verstärkt auf Früherkennung, Information, psychosoziale Beratung und Schadensminimierung zu setzen. Ziel ist ein gesundheitsorientierter Umgang, der Risiken reduziert und die Versorgung von konsumierenden Inhaftierten verbessert.

Warum suchen Menschen den Alkoholrausch?

Eine neue Folge von Terra Xplore geht der gesellschaftlichen Rolle von Alkohol nach. Der Beitrag zeigt, wie eng Alkoholkonsum mit Ritualen, Gemeinschaft und dem Wunsch nach Enthemmung verbunden ist. Gleichzeitig erinnert er an die gesundheitlichen Folgen: In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen mit alkoholbezogenen Störungen. Fachleute plädieren deshalb für einen bewussteren Umgang mit Alkohol statt für die Frage, ob überhaupt getrunken werden sollte.

Gewerbe wehrt sich gegen «zweiten Platzspitz»

An der Zürcher Gessnerallee sorgen zunehmender Drogenhandel und öffentlicher Konsum für Kritik. Gewerbetreibende sowie Anwohnende berichten von einer sichtbaren Verschärfung der Situation und sammeln Unterschriften für Gegenmassnahmen. Die Stadt Zürich hat die Polizeipräsenz an einem der vier identifizierten Brennpunkte erhöht. Fachleute verweisen auf die starke Verfügbarkeit von günstigem Kokain und betonen, dass neben Kontrollen auch zusätzliche niederschwellige Hilfsangebote nötig seien.

FORSCHUNG & STATISTIK

Cannabis und psychische Gesundheit: Neue Erkenntnisse zum Psychoserisiko

Eine internationale Übersichtsarbeit zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommt zum Schluss, dass täglicher oder nahezu täglicher Cannabiskonsum zur Entstehung psychotischer Störungen beitragen kann. Weniger eindeutig sind die Zusammenhänge mit Depressionen, Angststörungen, bipolaren Störungen und suizidalem Verhalten. Die Forschenden fordern insbesondere bessere Interventionen für Menschen, bei denen psychische Erkrankungen und eine Cannabiskonsumstörung gemeinsam auftreten.

Alkohol und Demenz: Studie stellt bisherigen Wissensstand infrage

Eine internationale Studie mit Daten von über 559'000 Personen kommt zum Schluss, dass Alkoholkonsum mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sein könnte. Die Forschenden fanden keine Hinweise auf einen schützenden Effekt von moderatem Alkoholkonsum. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Alkohol als beeinflussbaren Risikofaktor für die Gehirngesundheit im Alter.

ONLINE | BILDSCHIRM

SRF-Club: Regulierung von Social Media

Haben Facebook, Instagram und Co. die psychische Gesundheit von Jugendlichen gefährdet? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein viel beachteter Gerichtsprozess in den USA. Im «Club» diskutierten Fachpersonen über die Verantwortung der Plattformen sowie mögliche Regulierungen zum Schutz von Minderjährigen. Im Zentrum standen Fragen nach den Auswirkungen von Social Media auf die psychische Gesundheit junger Menschen und die Rolle von Altersbeschränkungen oder strengeren gesetzlichen Vorgaben.

DHS veröffentlicht Positionspapier zu problematischer Mediennutzung

Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – digitale Medien gehören für alle Altersgruppen zum Alltag. Zwar eröffnen sich durch die Digitalisierung zahlreiche berufliche und private Vorteile, doch eine Vielzahl von Studien belegt auch negative Auswirkungen, die insbesondere die Entwicklung Heranwachsender beeinträchtigen können. Ein jetzt veröffentlichtes DHS Positionspapier gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Prävention und Behandlung von problematischer Nutzung digitaler Medien sowie von Internetnutzungsstörungen.

Neurodivergenz und digitale Medien

Neurodivergenz ist ein Thema, das viele Eltern beschäftigt - auch im Zusammenhang mit der Mediennutzung ihrer Kinder. Verschiedene Blogbeiträge auf der Website jugendundmedien.ch widmen sich den Ausprägungen auf dem Spektrum und gehen der Frage nach, was betroffene junge Menschen für ihren Umgang mit digitalen Medien brauchen. Immer dabei: weiterführende Links, Tipps und Empfehlungen für Eltern.

Ein Prozess, der Social Media verändern könnte

In Kalifornien hat ein Verfahren gegen Meta begonnen. 29 US-Bundesstaaten werfen dem Konzern vor, Facebook und Instagram mit suchtfördernden Mechanismen für junge Nutzer:innen gestaltet zu haben. Im Fokus der Klage stehen Mechanismen wie Endlos-Scrollen, Likes und Push-Benachrichtigungen. Das Verfahren könnte Folgen für den Jugendschutz und die Gestaltung sozialer Medien haben.

BERICHTE UND PUBLIKATIONEN

Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und Sucht

Eine neue BAS-Publikation beleuchtet den aktuellen Forschungsstand zu Substanzkonsum und Suchterkrankungen bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Sie zeigt bestehende Versorgungslücken auf und betont die Bedeutung barrierefreier Präventions-, Beratungs- und Behandlungsangebote sowie einer engeren Zusammenarbeit von Suchthilfe und Eingliederungshilfe.

Faktenblatt WHO: Einsamkeit bleibt ein Gesundheitsrisiko im Alter

Soziale Isolation und Einsamkeit gehören laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den wichtigsten Risikofaktoren für psychische Gesundheitsprobleme im Alter. Die WHO weist in einem aktuellen Faktenblatt darauf hin, dass etwa ein Viertel der älteren Menschen von Einsamkeit betroffen ist. Fachpersonen werden aufgefordert, soziale Teilhabe stärker zu fördern und Einsamkeit frühzeitig zu erkennen.

DIVERS

SafeZone wird 2027 um ein Konsumtagebuch erweitert

Ab 2027 führt SafeZone ein webbasiertes Konsumtagebuch ein – entwickelt vom Fachverband Sucht mit Unterstützung von Infodrog, Arud und Bundesamt für Gesundheit. Mit der Web-App sollen Reflexion und Selbstmanagement der Nutzer:innen gestärkt und Fachpersonen im «enriched online counseling» unterstützt werden.

Studienteilnehmende für LSD-gestützte Psychotherapie bei Alkoholabhängigkeit gesucht

Das Universitäre Psychiatrische Zentrum (UPZ) Bern führt gemeinsam mit den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel und der Klinik Südhang die LYTA-Studie durch. Untersucht wird, ob eine LSD-gestützte Psychotherapie die Rückfallprävention bei Menschen mit Alkoholabhängigkeit unterstützen kann. Gesucht werden Personen ab 25 Jahren, die einen Alkoholentzug abgeschlossen haben.

VERANSTALTUNGEN
Die laufend aktualisierte Agenda mit Veranstaltungen aus dem Suchtbereich finden Sie direkt auf den Seiten von Infodrog.

STELLENANGEBOTE
Beachten Sie auch unsere Stellenangebote, eine Kooperation mit dem Verein sozialinfo.ch

REDAKTION

Deutschschweiz

Dr. Walter Rohrbach