Newsletter | Mai 2026

NEWS
Mai 2026

Bericht Coordination nationale Housing First 2025

Am 27. November 2025 fand in Bern, im Bundesamt für Gesundheit, die dritte Coordination nationale für Housing-First-Projekte aus allen Sprachregionen der Schweiz statt. Im Zentrum standen die Auswirkungen des zunehmend angespannten Wohnungsmarkts auf Housing-First-Projekte: Finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen reichen vielerorts kaum aus. Im Tagungsbericht von Infodrog können Sie die Inhalte nachlesen.

Faktenblatt und Bericht «Kiffen, sniffen, spicken & Co.», Ausgabe 2026

Das Faktenblatt und der Bericht zur Auswertung der «Befragung zum Freizeitdrogen-Konsumverhalten» liefern neue Einblicke in den Konsum psychoaktiver Substanzen. Sie zeigen Konsumhäufigkeit und -trends, soziodemografische Merkmale der Befragten sowie Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum. Zudem beleuchten die Publikationen das Thema Drug Checking.

POLITIK

Globaler Tabaklobby-Index: Schweiz bleibt Schlusslicht Europas

Die Schweiz ist und bleibt ein Paradies für die Tabaklobby: Im neuen globalen Tabaklobby-Index belegt sie erneut den zweitletzten Platz von 100 Ländern – nur ein Land schneidet noch schlechter ab. Der Bericht zeigt, wie stark die Tabakindustrie hierzulande weiterhin Einfluss auf die Politik nimmt.

Grossbritannien plant rauchfreie Jugend – und die Schweiz?

Grossbritannien verbietet den Tabakverkauf für zukünftige Generationen. Das vom Parlament verabschiedete Gesetz sieht eine schrittweise Anhebung des Alters vor, ab dem Tabakprodukte gekauft werden dürfen. Verglichen mit vielen Ländern sind in der Schweiz Tabaksteuern insgesamt tiefer, der Passivrauchschutz schwächer und Werbeverbote weniger streng. Im europäischen Vergleich steht die Schweiz an zweitletzter Stelle bei der Tabakprävention.

Dossier: Rhetorik der Tabakindustrie

Würde eine Erhöhung der Tabaksteuern Arbeitsplätze vernichten? Würde ein Werbeverbot für Zigaretten zu einer ganzen Reihe weiterer Verbote führen? Es ist nicht immer einfach, sich in den Argumenten der Tabakindustrie und ihrer Verbündeten zurechtzufinden. Um Klarheit zu schaffen, hat das Projekt Transparency and Truth einen Bericht, eine Broschüre und Videos veröffentlicht, die diese rhetorischen Strategien entschlüsseln und Tipps geben, wie man ihnen wirksam begegnen kann.

Folgen einer Vergewaltigung sollen als Unfall gelten

Der Fall der Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem Ehemann über Jahre immer wieder unter Drogen gesetzt und von Dutzenden Männern vergewaltigt wurde, hat eine erstaunliche Lücke im Schweizer Gesetz ans Licht gebracht. Hätte Pelicot die Übergriffe in der Schweiz erlitten, wären diese gemäss dem Unfallversicherungsgesetz (UVG) nicht als solche anerkannt worden. Es geht dabei unter anderem um die Substanz GHB, auch bekannt als K.-o.-Tropfen. GHB wird von Tätern oft verwendet, um ihre Opfer zu betäuben und gefügig zu machen. Der Bundesrat schätzt, dass dank der Gesetzesänderung, die er jetzt vorschlägt, jährlich zwischen 40 und 150 zusätzliche Fälle von sexuellen Übergriffen anerkannt werden.

Deutschland: Begleitetes Trinken ab 14 Jahren soll abgeschafft werden

Jugendliche dürfen in Deutschland regulär ab 16 Jahren Bier, Wein und Sekt in der Öffentlichkeit trinken und kaufen. Eine Ausnahmeregel erlaubt allerdings, diese Getränke schon mit 14 oder 15 Jahren in Gaststätten und Geschäften zu kaufen und zu verzehren, wenn eine sorgeberechtigte Person dabei ist. Diese Regel soll nun gestrichen werden.

TABAK | NIKOTIN

Lungenkrebs-Früherkennung für Raucher:innen

Menschen mit starkem Zigarettenkonsum haben ein erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Ab April 2026 wird es deshalb für aktive und ehemalige starke Raucher:innen im Alter von 50 bis 75 Jahren ein Angebot auf Lungenkrebs-Früherkennung geben. Ziel der Früherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (Niedrigdosis-CT) ist es, Lungenkrebs schon im frühen Stadium zu erkennen.

Schaden mir Nikotinanaloga und synthetisches Nikotin?

Hersteller setzen zunehmend Nikotinanaloga und synthetisches Nikotin in E-Zigaretten und Nikotinbeuteln ein – und bewerben sie als harmlose oder nikotinfreie Alternative. Wirkung und Risiken sind jedoch noch unklar. Besonders problematisch: Mit trendigen Produkten und Social Media sprechen sie bewusst Jugendliche an.

WEITERE SUBSTANZEN

Kokain auf Rezept soll Crack-Probleme lindern

Der Konsum von Crack boomt und setzt Schweizer Städte unter Druck. Nun geht Genf neue Wege: Schwerstabhängige sollen Kokain unter ärztlicher Aufsicht erhalten: «Eine Legalisierung steht nicht zur Diskussion. Wir wollen suchtkranke Menschen von der Strasse holen und sie therapeutisch begleiten, um die offene Szene auszudünnen», sagt Daniele Zullino, Leiter der Suchtpsychiatrie am Genfer Universitätsspital. Das Projekt wird in anderen Städten wie Basel und Bern aufmerksam verfolgt. Zürich prüft derzeit eine eigene Studie, wie die Stadt bestätigt.

FORSCHUNG & STATISTIK

Erste Ergebnisse Cannabispilotprojekt Lausanne

Mehr als 1750 Erwachsene aus Lausanne haben sich für das Projekt Cann-L angemeldet, und jede Woche kommen neue hinzu. Zwei Jahre nach Eröffnung der Verkaufsstelle fällt die Bilanz sehr positiv aus: Die grosse Mehrheit der Teilnehmenden hat den illegalen Markt verlassen, der Cannabiskonsum nimmt ab, fast hundert Personen haben Kontakt zu einem Arzt aufgenommen, und die verkauften Produkte sind im Durchschnitt weniger stark als die auf dem Schwarzmarkt. Letzterer hat insgesamt zwei Millionen Franken Umsatz eingebüsst,

Alkohol und Schwangerschaft – Botschaft muss früher ansetzen

Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist die häufigste vermeidbare Ursache für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, von welchen jedes Jahr Tausende von Neugeborenen in der Schweiz betroffen sind. Alkohol ist zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft ein Gesundheitsrisiko. Die neue Befragung von Sucht Schweiz bei schwangeren Frauen gibt jetzt Hinweise darauf, wie das Vorsorgeprinzip «Kein Alkohol während der Schwangerschaft» umgesetzt wird und wo die Schwierigkeiten liegen.

Deutschland: Jahrbuch Sucht 2026

Das erschienene DHS Jahrbuch SUCHT 2026, herausgegeben von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), berichtet über aktuelle Entwicklungen und Trends zum Konsum von Alkohol, Tabak, Cannabis, illegalen Drogen sowie zu Medikamentenabhängigkeit und Suchtverhalten in Deutschland. Bspw. lassen sich in Deutschland jährlich etwa 44 000 Todesfälle auf Alkoholkonsum zurückführen und im Jahr 2024 wurden rund 283 500 Patient:innen aufgrund einer ausschließlich durch Alkohol bedingten Diagnose stationär im Krankenhaus behandelt.

Neue Studie: Vapen wahrscheinlich krebserregend

Bei der Erforschung des Krebsrisikos durch Vaper steht die Wissenschaft vor einem Problem: Viele Krebsarten treten erst nach Jahren oder Jahrzehnten auf, E-Zigaretten sind jedoch erst seit etwa 2010 breit verfügbar. Doch die Hinweise verdichten sich: Eine aktuelle Studie kommt zum Schluss, dass regelmässiges Dampfen von E-Zigaretten wahrscheinlich Lungen- oder Mundhöhlenkrebs verursachen kann.

Studie: Cannabis kaum Nutzen bei psychischen Leiden

Eine im Fachjournal The Lancet Psychiatry publizierte Übersichtsarbeit zeigt, dass Cannabinoide bei den meisten psychischen Störungen und Substanzgebrauchsstörungen keinen nachweisbaren Nutzen bieten. Die Analyse umfasst 54 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 2477 Teilnehmenden. Angesichts der spärlichen Evidenz ist der Einsatz von Cannabinoiden zur Behandlung von psychischen Störungen und Substanzgebrauchsstörungen derzeit selten gerechtfertigt, so das Fazit der Forschenden.

KINDER & JUGENDLICHE

Magazin stark: Kinder fürs Leben stärken

Die frühe Kindheit ist für die Suchtprävention wichtig, denn viele Schutz- und Risikofaktoren werden im Kleinkindalter geprägt. Diesen Zusammenhängen wird in der aktuellen Ausgabe des Magazins stark nachgegangen und aufgezeigt, mit welchen Angeboten Eltern und Institutionen im Frühbereich unterstützt werden können.

Zwei Mütter erzählen, wie sie die Suchterkrankung ihrer Kinder erleben

Zwei Buben, sie kennen sich nicht, doch ihr Lebensweg ähnelt sich: Beide wuchsen behütet auf, kamen in der Schule gut mit und hatten Freunde. Doch als Teenager rutschten sie in die Drogensucht. Seit Jahren prägt die Suchterkrankung der beiden Männer das Leben ihrer Eltern. Ihre Mütter Anita und Regula erzählen, wie sie um ihre Kinder kämpfen, um sie bangen, hoffen, loslassen und gleichwohl nie die Liebe zu ihnen verlieren.

PLATTFORMEN & INFORMATIONEN

Prävention in der Gesundheitsversorgung

Prävention ist ein zentraler Bestandteil einer modernen Gesundheitsversorgung: Haus- und Kinderärzt:innen, Spitäler, Pflege und regionale Anlaufstellen erkennen Risiken früh, stärken Patient:innen in ihrem Alltag und verbessern den Zugang zu Unterstützung. Durch die Zusammenarbeit von Gesundheitswesen, Sozialbereich und Gemeinwesen entstehen Versorgungsmodelle, die Krankheiten vorbeugen, chronische Verläufe stabilisieren und das System nachhaltig entlasten – die Sammlung von Beiträgen auf prevention.ch widmet sich diesem Thema.

Initiative rund um Künstliche Intelligenz für das Gemeinwohl

Die Initiative Civic Coding will KI-Anwendungen sozial, nachhaltig und partizipativ gestalten. Auf der Plattform und durch das Innovationsnetz wird gemeinwohlorientierte KI zur Stärkung der Gesellschaft, der Umwelt und des Miteinanders gefördert. Auf der Plattform findet sich bspw. die Civic Data Academy – eine Sammlung von ausgewählten, kostenlosen Schulungen und Leitfäden rund um KI, Daten und Datensicherheit für NPOs.

Plattform Vorsicht Manosphere!

Die Manosphere ist ein Sammelbegriff für Räume im Internet, in denen eine naturgegebene Geschlechterordnung und dominante Männlichkeit vertreten und verteidigt werden. Sogenannte Manfluencer machen Frauen, Feminismus und Gleichstellung dafür verantwortlich, dass sich viele Männer heute verunsichert und provoziert fühlen. Der prominenteste Vertreter ist Andrew Tate. Die Plattform Vorsicht Manosphere! bietet Wissen und Orientierung für Eltern, familiäre Bezugspersonen und Fachkräfte.

DIVERS

Häusliche Gewalt und Sucht: Empfehlungen

Häusliche Gewalt und Sucht treten häufig gemeinsam auf, werden jedoch oft nicht gleichzeitig erkannt oder thematisiert. Beide Themen sind gesellschaftlich stark stigmatisiert und werden oft aus Scham, Angst oder Loyalitätskonflikten verschwiegen. Gerade ihre wechselseitige Verstrickung bleibt dabei häufig unerkannt – mit gravierenden Folgen für Betroffene. Bereits 2015 wurden erstmals Empfehlungen zur Dualproblematik Häusliche Gewalt und Sucht veröffentlicht. Diese wurden nun überarbeitet und an aktuelle Erkenntnisse und Bedürfnisse aus der Praxis angepasst.

Jahresberichte ags

In der Suchtberatung der Aargauische Stiftung Suchthilfe (ags) wurden 2025 2421 Klient:innen begleitet, davon 1’275 Neumeldungen. Neben Alkoholproblemen zeigte sich insbesondere beim Kokainkonsum eine zunehmende Relevanz. Auch Verhaltensabhängigkeiten gewannen an Bedeutung. Auffällig bleibt der hohe Anteil an Angehörigen, die Unterstützung suchen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen (BZBplus, PDAG) wurde ein Pilotprojekt zur Führung eines «Intensiven Case Managements (ICM)» vorbereitet, das ab 2026 insbesondere Patient:innen der PDAG mit komplexen Krankheitsbildern (mehrere Erkrankungen) besser unterstützen soll.

Rückblick auf das Fachtreffen «Psychische Gesundheit im Alter: Die Bedeutung des Lebenssinns»

Wie beeinflusst Lebenssinn unser Wohlbefinden im Alter? Diese Frage stand im Zentrum einer Veranstaltung und beleuchtete die Zusammenhänge zwischen Sinnerleben und psychischer Gesundheit in späteren Lebensphasen. Zuerst wurden die Teilnehmenden durch einen Fachinput an das Thema herangeführt, bevor drei Interventionsbeispiele aus der Praxis vorgestellt wurden. Die Präsentationen sind jetzt einsehbar.

VERANSTALTUNGEN
Die laufend aktualisierte Agenda mit Veranstaltungen aus dem Suchtbereich finden Sie direkt auf den Seiten von Infodrog.

STELLENANGEBOTE
Beachten Sie auch unsere Stellenangebote, eine Kooperation mit dem Verein sozialinfo.ch

REDAKTION

Deutschschweiz

Dr. Walter Rohrbach